12. September bis 6. Oktober 2014 / Von Francistown (Botswana) bis Windhoek (Namibia)

Bis Franictown führt eine gute Teerstrasse, ab da eine etwas ruppige Schotterpiste zum Woodlands Stop Over – ein herrlicher Campingplatz mit Rasen und Pool direkt am Tati River. Es gelingt uns nachmittags noch, sechs Eier zu kochen und das Abendessen zuzubereiten, dann ist die Gasanlage im Eimer. Das Gasdruck-Reduzierventil ist hinüber – wohl wegen schmutzigem Gas. Eigentlich wollten wir von hier in die Makgadikgadi- und Nxai-Pan, so geht das aber nicht. Ohne Kaffee am Morgen – unmöglich!

So nehmen wir halt bedauerlicherweise den direkten Weg nach Nata. Das Camping-Gelände der Nata Lodge ist etwas tiefsandig (4×4 only!). Aber da wir eh hier essen müssen, spielt das keine so grosse Rolle. Nata besteht eigentlich bloss aus dieser Lodge und zwei Tankstellen. Hilfe finden wir hier bestimmt nicht.

Weiter nördlich in Kasane erhoffen wir uns etwas mehr Beistand. Erst mal auf den Campground der Kwalape Lodge. Richtig grosszügige Plätze und ein grosser Pool, bei dieser Hitze eine echte Wohltat. Von hier unternehmen wir einen Bootstrip auf dem Chobe River. Das hatten wir ja auf jeden Fall vor. Hier waren wir vor elf Jahren schon, und es war eines der schönsten Dinge, die wir uns je geleistet hatten. Eine Unmenge an Elefanten frisst das spezielle – bis zu 5 Meter lange – Gras auf Sedudu Island. Ausserdem sind eine Menge Kaffernbüffel und viele verschiedene Vögel zu sehen. Der perfekte Sonnenuntergang erinnert uns an unsere Hochzeitsreise im Jahr 2003 – besser geht’s nicht! Auf dem Rückweg zur Kwalape Lodge stehen hunderte von Büffeln und Elefanten direkt neben der Strasse, welch ein Anblick! Elefanten werfen übrigens alles über den Haufen, was sie auf dem Weg zum Wasser stört, was man am Zaun einer Schule ganz deutlich sieht!

Anderntags lässt es sich nicht mehr aufschieben: Wir benötigen ein neues Gasventil! Drei Mal fahren wir die 10km zwischen Kazungula und Kasane hin und her, bis wir endlich und nach vielem Rumfragen einen Gashändler finden, der erst mal unsere beiden Flaschen wieder vollständig füllt (Kazungula, S 17°48.449‘ / O 025°14.701‘, Afrox) – und er will nicht mal Geld dafür! In Kasane – im dritten Hardware-Geschäft „Haskins“ – finden wir dann ein neues Ventil mit Schlauch. Beat sägt vor Ort das alte Anschlussteil vom Kupferrohr ab und stülpt den neuen Schlauch über das Rohr. Sofort wird das neue Gasventil ausprobiert – es funktioniert! Endlich wieder selber Kaffee machen und kochen! Gleich noch in Kasane einkaufen – da treffen wir doch zufällig wieder auf Susanna und Peter, die wir in Punda Maria (Krüger NP) kennengelernt hatten. Wir haben dort einen wunderbaren Abend zusammen verbracht. Da sie nach Zimbabwe weiter wollten, haben wir nicht an ein Wiedersehen geglaubt.

Mit Müh und Not ….und schlechten Internetverbindungen…haben wir im Senyati Safari Camp zwei Nächte reservieren können. Peter und Susanna möchten die Hunter’s Road entlang der Zimbabwe-Grenze (unser Vorhaben für nächstes Jahr) fahren und kommen vielleicht auch dorthin. Bereits die Fahrt gestaltet sich abenteuerlich: Eine Menge Elefanten stehen im Schatten der Bäume entlang der Piste. Das Camp bietet auf jedem Stellplatz eigene sanitäre Anlagen, was echte Privatsphäre garantiert. Wir erhalten sogar Logenplatz Nr. 2 mit direktem Blick auf die Wasserstelle, welche nachts beleuchtet ist. In der Bar auf der erhöhten Aussichtsplattform gibt’s gute WIFI-Verbindung, und nicht zu vergessen der „Bunker“, welcher unterirdisch direkt bis wenige Meter vors Wasserloch führt und einen die Tiere aus einer anderen Perspektive beobachten lässt. Selbstverständlich machen einem auch hier die Meerkatzen und Baboons bisweilen das Leben schwer. Aber als dann nachmittags die Elefantenherden eintreffen, ist das alles nichtig. Eine Herde nach der anderen kommt zum Trinken – bisweilen sind über 30 Tiere an der kleinen Wasserstelle und schubsen, trompeten und suhlen sich nebenan im Schlamm. Bis spät in die Nacht hinein dauert das Spektakel – für uns sind das magische Momente.

Anderntags gesellen sich tatsächlich Susanna und Peter zu uns. Vorbereitend hatten wir schon mal nachgefragt, und sie dürfen sich zu uns auf den Platz stellen. Sie sind sehr begeistert vom Luxus-Campsite und wollen auch zwei Tage hier bleiben. Den Abend verbringen wir mit angeregten Gesprächen und auf der Aussichtsplattform. Peter führt uns seine Anti-Affen-Steinschleuder vor – nächstes Jahr haben wir auch sowas dabei! Ihr alle daheim könnt euch freuen: Wir werden üben müssen!

Nur sehr ungerne trennen wir uns von den beiden und hoffen auf ein Wiedersehen daheim. Unterwergs nach Kasane stehen eine Menge Elefanten unter schattenspendenden Bäumen. Durch den Chobe National Park fahren wir auf der Teerstrasse – der einzige Gratis-Weg, leider muss man sich neuerdings für die Befahrung der Riverfront sieben Tage vorher anmelden… Die Ausreise aus Botswana bei Ngoma Bridge dauert gerade mal zehn Minuten. Kurz nach dem Gate stossen wir auf eine Elefantenherde, welche sich vom Chobe ins namibische Schwemmland begibt – was für ein perfekter Abschied! Botswana ist ein absolut grandioses Land für Tierliebhaber, und hat uns auch diesmal in keinster Weise enttäuscht!

Sehr gespannt sind wir nun, was in Namibia mit uns geschieht… Auf dem üblichen Einreise-Formular müssen wir die Aufenthaltsdauer angeben (20 Tage) – und kriegen diese auch prompt. Bis am 10. Oktober dürfen wir uns also erneut hier aufhalten, und werden demnach vor Ablauf der Frist ausreisen. Die Erleichterung ist unvorstellbar! In Katima Mulilo müssen wir erst im Office bei der Total-Tankstelle die Strassenbenutzungsgebühr von N$ 220.00 bezahlen. Schnell noch ein paar Esswaren einkaufen und erneut zum wunderschönen Campingplatz der Zambezi River Lodge.

Wir haben’s nicht so eilig und verbringen die nächste Nacht direkt am Kwando River auf dem Campground der Mazambala Island Lodge. Kein Strom, dafür ein Paradies für Vogelbeobachtungen …und eine Unmenge verschiedener Insekten, denen nur mit einer Menge Chemie beizukommen ist!

Das Popa Falls Resort hat uns nicht über die Massen begeistert, drum fahren wir etwas weiter auf den Campground der River Dance Lodge. Jeder Platz mit eigenen sanitären Anlagen und direktem Blick auf den Okavango River, da bleiben keine Wünsche offen! Direkt gegenüber liegt Angola und der Mucusso Nationalpark. Dort sind aber leider bloss Rindviecher zu sehen. Es dürfte noch etwas dauern, bis sich die Wildtiere in dem vom langjährigen Bürgerkrieg gezeichneten Land wieder einfinden.

Kurz vor Rundu biegen wir auf die Rüttelpiste entlang des Okavango ab und fahren auf den Campingplatz der N’kwazi Lodge. Auch hier gottlob ein Pool, denn inzwischen klettern die Temperaturen im Norden Namibias täglich bis 45C°. Abends lassen wir uns das köstliche Buffet nicht entgehen, das Essen hier wird ja sehr gerühmt. Auch die Tänze und Gesänge der Einheimischen finden wir sehr authentisch und spenden gerne etwas Geld dafür. Da sich die Besitzer sehr für soziale Projekte engagieren, lassen wir auch gleich all unsere mitgebrachten Schreibwaren für Schulen hier. Das Strahlen ist Dank genug!

Zurzeit immer früh raus und losfahren, damit wir der Mittagshitze entgehen können. Bis Tsumeb sind es allerdings 340km, und bis wir dort sind, kleben wir in den Sitzen. Jahaaa: Wir haben keine Klimaanlage! Das Kupferquelle Resort bietet ein Wettkampf-Schwimmbecken und grosszügige Rasenplätze – wie herrlich! Gegen Abend ziehen doch ernsthaft Wolken auf, und es beginnt tatsächlich zu regnen. Nicht viel, dafür sehr überraschend früh in diesem Jahr.

Aufbruch zum Namutoni Gate in die Etosha Pfanne. Begleitet werden wir von einem heftigen Gewitter mit sehr starkem Regen – ganz was Neues für uns in Namibia! Wir waren schon mehrmals hier, trotzdem immer wieder faszinierend! Der Ostteil des 22‘270 km2 grossen Parks wird dominiert von der rund 5‘000km2 grossen Etosha Pfanne. Vor etwa 12 Mio. Jahren existierte hier ein See, der von grossen Flüssen gespeist wurde. Als sich die Flussrichtungen veränderten, trocknete der See aus. Zurück blieben Mineralien und Salze. Am Südrand dieser Salzwüste gibt es viele Quellen, welche natürliche Wasserstellen für die Tiere bilden. Von Namutoni bis Halali fahren wir also diesem Pfannenrand entlang. Der Himmel ist noch immer bedeckt, und Tiere sowie Landschaft wirken wie gebleicht. In Halali verbringen wir einige Stunden an der beleuchteten Wasserstelle und werden erneut nicht enttäuscht. Spitzmaulnashörner haben dieses Wasserloch längst akzeptiert und gleich vier von ihnen kommen abends zum Trinken. Im Gegensatz zu den gutmütigen und etwas grösseren Breitmaulnashörnern sind sie eher aggressiv, und man hört dauernd das Krachen der Hörner.

Am zweiten Tag verunziert kein Wölkchen den Himmel. Auf zum Game Drive. Sehr viele verschiedene Tiere sind heute zu sehen, die Salzpfanne sieht gleissend und gespenstisch aus.
Welche Ehre dann abends: Wir lernen in Halali die beiden Weltrekord-Reisenden Liliana und Emil Schmid kennen. Seit 30 Jahren sind sie nun schon auf Achse und haben noch immer Pläne. Nach Angola wollen sie demnächst, wofür es weder Reisebücher noch Karten zu kaufen gibt. Bewundernswert!!!

Nach einem interessanten Gespräch bei gemeinsamem Kaffee verabschieden wir uns von den beiden. Wir hören bestimmt wieder mal von ihnen! Unser Weg führt weiter zum Okaukuejo Gate. Unterwegs zwei Highlights: Unter einem Busch vier dösende Geparde sowie später mehrere vollgefressene Löwinnen. In Okaukuejo kriegen wir dann mit Müh und Not einen „Special Campsite“ neben der Küche – macht nüüd! Das Wasserloch hier ist dafür umso atemberaubender. Hunderte Elefanten, Zebras, Oryxe und Springböcke kommen tagsüber zur Tränke. Wir sitzen auf einer Bank im Schatten und lassen die Szenerie auf uns wirken. Der Sonnenuntergang ist schlicht eine Sensation! Abends lassen sich sogar Löwen blicken, welche aber zwischen den vielen Elefanten kaum zu sehen sind.

Weiter zum Waterberg Plateau. Rot leuchtet dieses bis 1‘900 müM hohe Massiv aus der ansonsten flachen Savanne heraus. Noch immer ist es unwahrscheinlich heiss und wir sind dankbar, dass es auch auf dem rotsandigen Andersson Camping einen kleinen Pool zum Abkühlen gibt. Am zweiten Tag erst mal eine kleine Wanderung zur Plateau Lodge. Morgens um 08:00h zeigt das Thermometer bereits 34C° – also ein warmes Unterfangen ohne jeglichen Schatten. Mir wird wieder mal schwindlig, und wir müssen uns leider zum Campingplatz zurückfahren lassen.

Etwas weiter südlich gibt es auf einem Farmgelände ein National Monument zu entdecken. Fleischfressende Dinosaurier hinterliessen vor 190 Mio. Jahren an den immer spärlicher werdenden Wasserstellen im feuchten Sediment ihre bis zu 45 cm langen Fussabdrücke. Die Spuren wurden von Dünensand abgedeckt und konnten sich dadurch erhalten, dass der Sand sich zu Sandstein verfestigte. Staunend stehen wir vor den Abdrücken und stellen fest, dass die Viecher eine beachtliche Grösse gehabt haben müssen. Ganz alleine stehen wir nur 300m unterhalb der Spuren auf dem Campingplatz mitten im Busch – kein Strom, dafür klein und romantisch. Morgens dann 5C° – welch eine Differenz zu den letzten Tagen!

In der Nähe von Okahandja auf der Ombo Gästefarm gibt es einen wunderschönen Rasen-Campingplatz, und im Restaurant kriegt man Wild- oder Straussenfleisch. Wir trauen unseren Augen kaum, als eine Unmenge Strausse, Spring- und Wasserböcke dicht am Zaun vorbeilaufen. Morgens um 04:00h weckt uns sogar ein Löwe mit seinem Gebrüll – heute verabschieden wir uns endgültig von all den herrlichen Tieren.

Windhoek ist jetzt viel grüner als vor 2 1/2 Monaten, denn es hat auch hier bereits geregnet. Ungewohnt laut und hektisch ist diese Grossstadt, und wir sind froh, auf dem Parkplatz der Pension Uhland einzutreffen. Die Abende sind nach wie vor etwas kühl, denn wir befinden uns ja immerhin auf 1‘700müM. Vor Wochen schon haben wir für unseren Wagen einen Service beim Land Rover-Spezialisten „EastEnd Workshop“ vereinbart. Früh morgens liefern wir unser geliebtes Gefährt bei Gunter Klein ab. Ein wirklicher Service lohne sich nicht, da der Wagen ja ab jetzt ein Jahr stehen bleibt. Er werde das Auto etwa fünf Wochen vor unserer Rückkehr abholen, den Service dann vornehmen, ein paar Teile ersetzen (einiges ist zerbrochen) und alles auf Herz und Nieren prüfen – welch eine Bedienung!

Die letzten drei Tage verbringen wir mit der gründlichen Reinigung aller Innenräume unseres geliebten Chateaus auf dem Campingplatz des Trans Kalahari Inn. Eine Unmenge Sand und Insektenleichen kommen überall zum Vorschein! Blitzblank geputzt geht der Wagen dann in die Einstellhalle bis zu unserer Rückkehr im nächsten Jahr. Heute, am 6. Oktober, sitzen wir den ganzen langen Tag in der Lodge rum und warten auf den Transfer zum Flughafen am Abend. Jetzt freuen wir uns wirklich aufs Heimkehren und das Wiedersehen mit Familie und Freunden!

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26. August bis 11. September 2014 / Von Beitbridge (Grenze Zimbabwe – Südafrika) bis zum Khama Rhino Sanctuary und Palapye (Botswana)

Beitbridge ist nach wie vor der einzige Grenzübergang von Zimbabwe nach Südafrika, und wir wurden vor chaotischen Zuständen gewarnt. Und genau so war’s dann auch: Menschenschlangen vor Container-Schaltern, kein Stempel im Pass und nochmals zurück usw.! Aber nach rund drei Stunden passieren wir endlich den Schlagbaum nach Südafrika. Welch ein Anblick: Schöne Läden mit gefüllten Gestellen! Für die Übernachtung reicht’s gerade noch auf den Campsite des Hotels „Clouds End“ bei Louis Trichardt. Ach ja: Unser Chateau hat ab heute 100’000 km auf dem Buckel und läuft und läuft und… Land Rover halt!

Ein alter Wunsch geht in Erfüllung: Eine Woche im Kruger Nationalpark (leider ging das nicht ohne vorherige Reservierungen) mit seinen stressfreien Strassen und Pisten! Beim Punda Maria Gate im Norden des 350km langen und durchschnittlich nur 60km breiten Parks begeben wir uns erneut in die Welt der Tiere. Dieser wenig befahrene Teil des Parks ist sehr reizvoll mit seinen mächtigen Baobabs, vielen Hügeln und dschungelartigen Flusslandschaften. Nur hier sind auch die wunderschönen und seltenen Nyala-Antilopen anzutreffen.
Unsere ersten beiden Übernachtungen buchten wir im Punda Maria Camp. Vom Ansitz aus können wir bequem Tiere am Wasserloch beobachten, ohne ständig rumfahren zu müssen. Nächstes Camp ist Shingwedzi etwas weiter südlich. Wegen einer Discount-Woche befindet sich ein nicht unerheblicher Anteil südafrikanischer Rentner im Park. Es wird hier schon spürbar enger. Die Logenplätze in allen Camps befinden sich natürlich direkt an den Zäunen, da die Tiere nachts gerne um die beleuchteten Plätze streichen. Da quetschen wir uns einfach mal zwischen zwei Wohnwagen, um vor allem die Hyänenbesuche nicht zu verpassen.
Im Camp Mopani existiert gar kein Campingplatz, da mussten wir ein Rondavel buchen und kommen in den Genuss von richtig viel Privatsphäre. Satara heisst die nächste Anlaufstelle, von allen Camps ist es hier am engsten und lautesten. Im Balule Buschcamp hingegen gibt es lediglich 13 Stellplätze – zwar kein Strom, dafür hübsch und klein!
Letztes Camp ist Skukuza im Süden inmitten einer Savannenlandschaft. Auch hier war kein Campingplatz mehr verfügbar, und wir verbringen zwei Nächte etwas abseits in einem Safari-Zelt – auch nicht übel!
Während den über 1‘000 gefahrenen Kilometern durften wir einmaliges beobachten. Ganze Elefantenherden auf dem eiligen Weg zu den Wasserstellen, fressende Löwen an ihrem frischen Riss, sich fetzende Hippos, kreisende Riesenvögel wie Geier und Adler und sogar ein Rhino (allerdings mit abgesägtem Horn). Jeder Tag bringt neue Überraschungen, die herrlichen Fotos sprechen für sich.
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Nach acht Tagen verlassen wir diese Wunderwelt und fahren nach Hazyview auf den Campground des Numbi Hotels. Der Reisebericht ist überfällig, und auch sonst haben wir rund ums Auto so einiges zu tun. Nach zwei Tagen ist alles erledigt und es kann weitergehen. Mitten durch das Gebiet des Blyde River Canyons und über mehrere Pässe führt die Strecke nach Polokwane (ehem. Pietersburg). In der Nähe der Stadt gibt es ein kleines Game Reserve mit Campground, in welchem unter anderem seltene Rappenantilopen leben. Diese haben wir nämlich im Kruger nicht entdecken können. Es sind wahrhaft herrliche Tiere!

Auf der Strecke Richtung Botswana existieren Orte wie Luxemburg, Limburg oder Baltimore. 35km vor der Grenze übernachten wir letztmals in Südafrika auf dem Camping der Marnitz Kraal Lodge: Alles vom Feinsten. Erstmals auf dieser Reise wagen wir uns in einen Swimming Pool. Bei einer Wassertemperatur von 15C° dauert das Unternehmen allerdings nicht allzu lange!

WIEDER MAL WAS VOM DRIVER zum Grenzübertritt Südafrika – Botswana
Sonntag, 7. Oktober 2014
Wie immer, wenn wir am Folgetag losfahren, bereiten wir uns am Vorabend vor: Strassenkarten kontrollieren, Distanzen berechnen, Reiseführer lesen und, und, und… Da steht doch in unseren Botswana-Buch, der Grenzübertritt bei Martin’s Drift seit touristisch sehr interessant und wenig befahren. Frohen Mutes fahren wir nach einem Zmorge-Kaffee um 07:45 los. Doch schon bald – oh Schreck – steht eine Autoschlange vor uns, auf der linken Strassenseite eine Hinweistafel: 1,5km bis zur Grenze.
Nach zwei Stunden können wir unser Auto vor der Grenzkontrolle parkieren. Jetzt aber schnell die Passkontrolle erledigen… Die nette Beamtin begrüsst uns freundlich, ihr Blick wird aber immer finsterer. Sie teilt uns mit, wir hätten das 90-Tage Visum um 5 Tage überschritten. Wir versuchen ihr zu erklären, dass wir nur fünf Wochen in Südafrika waren und bei der zweiten Einreise nach Südafrika (Beitbridge…) falsch informiert wurden…und schlussendlich, dass wir bloss Schweizer Touristen seien. Alles nützt nichts! Sie stellt ein dreiseitiges Strafformular aus, wir müssen den linken Daumenabdruck hinterlassen und das Ganze auch noch unterschreiben. Nein, keine Geldbusse – wir dürfen aber Südafrika ein Jahr lang nicht betreten und sind nun registriert. Dieses Gesetzt sei seit dem 14. Mai 2014 in Kraft, sagt sie uns noch zum Abschied. Am 4. Juni sind wir abgereist, da müssen wir uns ja wohl keine Vorwürfe machen. Das Carnet de Passage fürs Fahrzeug abstempeln zu lassen ist dann einfach, obwohl hierfür niemand verantwortlich sein will.
Es ist inzwischen 11.45h und schon sehr heiss. Schnell zurück zum Auto und zur Brücke über den Limpopo, der die Grenze zwischen den Ländern bildet. Oh nein – das darf nicht wahr sein: Die Brücke ist nur einspurig befahrbar. Und an diesem Tag muss es so kommen – als zweitvorderstes Auto werden wir angehalten, und dann kommt der Gegenverkehr. Jetzt brauchen wir eine Zigarette. Entschuldige liebes Auto, das machen wir sonst nie!
Nach dem Passieren der Brücke wieder eine Autoschlange, wieder warten. Endlich können wir den Wagen auf einen schrägen Parkplatz stellen. Neben uns zwei deutschsprechende, weisse Namibier. Sofort aussteigen und sich in einer endlosen Kolonne wartender Menschen einreihen. Wie lange sie ist, sieht man nicht. Es sind jedenfalls hunderte von schwarzen Menschen und dazwischen einige weisse Touristen. Es ist inzwischen 12:30h, und die Sonne ist jetzt brütend heiss. Viele ältere Frauen machen schlapp und werden ohnmächtig. Chaos pur!
Um 13:00 kommt unser Retter: Ein schwarzer Junge erklärt uns, dass für weisse Touristen ein spezieller Schalter eingerichtet sei und zeigt uns den Weg. Das funktioniert hervorragend! Haha…die Grenzbeamtin lacht und meint, wir hätten das Südafrika-Visum überschritten. Jetzt wissen wir mit Bestimmtheit, dass wir registriert sind.
Jetzt noch die Autogebühren bezahlen und eine weitere Beamtin überzeugen, das Carnet de Passage abzustempeln. Und zurück zum Auto….nein, nicht auch das noch! Hinter unserem Wagen steht ein riesiger Sattelschlepper! Keine Chance, aus dem Parkplatz zu kommen.
Nach einer weiteren halben Stunde kommt die Lösung: Ein Einheimischer, der schräg vor uns parkiert, kommt zu seinem Wagen…nein, er steigt nicht ein, er nimmt sein Handy und telefoniert! Umbringen? Nein, nützt wohl auch nichts.
Um 14:30 verlassen wir das grösste Chaos, das wir jemals bei einem Grenzübertritt erlebt haben. Nerven liegen blank, Moral auf Nullpunkt. Wir fahren noch bis Palapye auf den sehr schönen Itumela Campground….mit einem sehr guten Restaurant. Das gönnen wir uns heute. Apropos Reisebücher….nein, lassen wir das!

Tja, leider ist der Tag noch nicht zu Ende! Der Beifahrerin fällt plötzlich ein, dass der Heimflug über Johannesburg dann wohl auch in die Binsen geht! Schnell ein Telefonat mit Globetrotter Luzern. Die wissen vom neuen Gesetz auch noch nichts und werden die Sachlage für uns schnellstmöglich abklären.

Etwas beunruhigt fahren wir dann anderntags doch zum Khama Rhino Sanctuary, wo die letzten ca. 40 Nashörner Botswanas ihre Zuflucht haben – rund um die Uhr schwer bewacht. Das Reservat ist nicht sehr gross, und wir entdecken immerhin zwölf dieser gutmütigen, riesigen Kolosse. Es gibt neben den weissen Breitmaulnashörnern auch einige Spitzmaulnashörner im Park. Diese halten sich jedoch mit Vorliebe im dichten Busch auf und sind daher nur sehr schwer zu finden. Die Rhinos hier tragen übrigens alle noch ihre prächtigen Hörner. Die Pisten sind durchwegs extrem tiefsandig und in der Mittagshitze nur sehr schwierig befahrbar. Den Nachmittag verbringen wir auf unserem grosszügigen Campingplatz mit Vogelbeobachtungen. Das ist ein wirklich kurzweiliges Vergnügen, haben doch die Tokos und Graulärmvögel ihre Scheu vor Menschen etwas verloren. Ein Gelbschnabeltoko erklärt unseren Wagen kurzerhand zu seinem persönlichen Spielplatz, und den verteidigt er bis aufs Blut – was haben wir da gelacht!

Zurück in Serowe suchen wir ein Internetcafé auf. Gibt es News von Globetrotter? Ja, tatsächlich…dahingehend, dass sich keine Amtsstelle zur Sachlage definitiv äussern will! Einzig die südafrikanisch Fluggesellschaft teilt mit, dass „Verbrecher“ wie wir bereits beim Check In zurückgewiesen werden. Da sich in Serowe kein annähernd anständiger Campingplatz befindet, fahren wir zurück nach Palapye ins Itumela-Camp, wo es Internet gibt. Wir beauftragen das Reisebüro mit der Stornierung des Heimfluges über Johannesburg und der Buchung direkt ab Windhoek via Frankfurt nach Zürich. Die Bestätigung kommt umgehend und zwar für das gleiche Datum: Am 6. Oktober fliegen wir also doch ab! Auch in Namibia werden wir übrigens die 90 Tage knapp überschreiten, aber vielleicht zeigt sich ein Grenzbeamter gnädig und gibt uns fünf weitere Tage?

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9. bis 25. August 2014 / Von Victoria Falls bis Matobo National Park (Zimbabwe)

Vorwort zu Zimbabwe (ehemals Rhodesien)
Nach einigen missglückten Landreformen besassen Mitte der 90er Jahre noch immer 5‘000 verbliebene weisse Grossfarmer 75% des fruchtbaren Landes, beschäftigten andererseits aber auch etwa 300‘000 Arbeiter mit deren Familienangehörigen, insgesamt 1 Mio. Menschen. 1997 versank Zimbabwe im Chaos, als Mugabe jugendliche Schlägerbanden gegen die Farmer und deren Angestellte hetzte. Daraufhin erfolgte die „beschleunigte Landreform“ resp. die sofortige Räumung aller besetzten Farmen. 2001 wurden fast alle verbliebenen weissen Farmer entschädigungslos ausgewiesen. Tausende Farmarbeiter und ihre Familien – die grössten Verlierer aus Mugabes unsäglicher Landreform – verloren dazu ihre Existenzgrundlage und flüchteten aus Zimbabwe. Die enteigneten Farmen wurden wegen fehlendem Knowhow nicht mehr bewirtschaftet. Korruption, eine unglaubliche Inflation von zuletzt 230Mio.%, Zusammenbruch von Wirtschaft und medizinischer Versorgung, verrottete Felder, verhungertes Vieh – von der einstigen Kornkammer Afrikas blieb nichts mehr übrig ausser Staatsbankrott. Seit 1.1.2011 ist der US$ offizielle Landeswährung, was die Lage erst mal ein wenig entschärft hat. Wir wollten uns erkundigen, festlegen will sich jedoch niemand unter den Weissen: Einige glauben an baldige Besserung, andere sehen nichts Gutes kommen, da nach Ableben des heute über 90jährigen Robert Mugabe offiziell keine Nachfolge geregelt ist .

Nach zwei Stunden erduldetem Gedränge am Grenzübergang Livingstone – Victoria Falls (Kostenpunkt 60$ für beide Visa plus 55$ für Versicherung usw.) erreichen wir also dieses Land, über welches man über die heimischen Nachrichtensender so gar nichts Gutes erfährt. Trotz allem sind wir gespannt auf den legendären Hwange Nationalpark! Bereits auf dem Weg dorthin geraten wir in zwei Polizeikontrollen – es sollten nicht die letzten sein! 10$ kostet uns das Fehlen der Reflektorstreifen (weiss vorne, rot hinten). Tja, nichts zu machen… Im Dorf Hwange können wir uns überraschend gut mit Lebensmitteln und Diesel eindecken, ehe wir in den Nationalpark fahren.

Die Piste ist überraschend gut, und wir erreichen das Sinamatella Camp frühzeitig (55$ pro Person und Nacht). Wow – ein Platz in der ersten Reihe mit freiem Blick auf die 60m tiefer liegende Grasebene, das entschädigt schon mal für vieles! Das Camp ist noch in einigermassen gutem Zustand, täglich kommen wir in den Genuss einer heissen Dusche, Feuerholz wird jeden Abend geliefert, und es ist ordentlich aufgeräumt. Unübersehbar: Es mangelt an Instandhaltungsmassnahmen, aber immerhin geben sich die wenigen Parkangestellten alle Mühe, es uns Gästen recht zu machen. Auf den Game Drives zu Masuma Dam (war leider ausgebucht) und Deteema Dam sind wirklich viele Tiere zu sehen: Löwen, Elefanten, verschiedene Antilopen und in den Wasserstellen Hippos und Krokodile. Abends laufen kleine Elefantenfamilien über die Grasebene unterhalb Sinamatella – ein ungemein friedvoller Anblick. Morgens dann hat sich die Welt verändert: Die Grasebene ist gesprenkelt mit schwarzen Punkten. Es ist eine riesige Herde Kaffernbüffel, nahezu 1‘000 Tiere wandern im Tal umher. Herrlich ist das hier!

Zuerst müssen nun diese leidigen Reflektorstreifen ans Auto, und dazu müssen wir nochmals zurück in den Ort Hwange. Die Piste führt übrigens mitten durch ein Kohleabbaugebiet. Leider ist die Kohlepiste nass gemacht worden – in der Folge sind sämtliche Hohlräume mit diesem schwarzen Matsch gefüllt! Nach einer Stunde des endlosen Durchfragens finden wir dann endlich einen kleinen Shop, der uns die Reflektorstreifen an die Stossstangen klebt.

Über gute bis mit Schlaglöchern gespickte, kurvige Teerstrassen geht’s leidlich nordwärts. Kurz vor Binga: Nach einer Kuppe fliegen plötzlich 20 Geier erschrocken auf – und wir beinahe mitten hinein. Schrecksekunden…und Glück gehabt! Nach weiteren 5km Sandpiste erreichen wir den Campground der Musuma River Lodge etwas ausserhalb von Binga am Lake Kariba. Ein Rasenplatz und sanitäre Einrichtungen vom Feinsten – welch eine Wohltat!

Der Einkaufsversuch in Binga endet ergebnislos. Die Gestelle im Supermarkt quellen über vor Seifen und Zahnpasta – was zu essen benötigt hier offenbar keiner! Immerhin funktioniert aber wenigstens die Tankstelle… Im Restaurant der Lodge geniessen wir abends einen wirklich sehr guten Fisch aus dem Karibasee. Heute haben wir übrigens Nachbarn: Der Allradtouren-Fahrer Martin Krauer trifft mit seiner Truppe ein. Es gibt interessante Gespräche und Martin verrät uns einige wertvolle Tipps zu Strecken und Auto.

Weiterfahrt: Die ersten 70km Piste sind wirklich übel, erst ab da könnte man sie vorsichtig als Gravel Road bezeichnen. Erstmals treffen wir auf eine Tsetsefliegen-Kontrolle, welche sich aber auf einen zweifelhaften Typen mit einem Fliegennetz und einer Spraydose beschränkt. Selbstverständlich ist er in einer Notlage und benötigt Geld. Mit einem US$ und einem kleinen Sprayer ins Auto gibt er sich dann zufrieden. Nach insgesamt 234km erreichen wir die einzige „offizielle“ Campingmöglichkeit zwischen Binga und Kariba: Sanyanti Bridge Camp (nach der Sanyanti-Bridge die zweite gut ersichtliche Piste auf der linken Seite nehmen, nicht ausgeschildert!). Noch nie fertiggestellt worden oder verfallen? – wir können es nicht genau ausmachen. Wenigstens ein wackliges Plumpsklo wird uns für 5$ hingestellt.

Den Rest nach Kariba will Beat auf einer Allradstrecke zurücklegen. Nach 16km Wellblech und einer seriöseren Tsetse-Kontrolle biegen wir ab in eine reizvolle Überlandpiste entlang von Kraals mit sehr netten Menschen, Mais- und Baumwollfeldern. Es folgt ein kleiner Anstieg auf einen Pass, von welchem wir Blicke auf den Karibasee werfen können. Steinig und steil geht‘s in engen Serpentinen runter ins Sambesi Valley, das Auto hüpft von Absatz zu Absatz! Wieder unten gelangen wir auf eine Wellblech-Piste durch das Gebiet der Charara Safaria-Area. Diese letzten 30km zerren dann so richtig an den Nerven. Nach 141 Tageskilometern und 6 Stunden Fahrt (inkl. drei Pinkelpausen) stehen wir dann endlich auf dem Campsite der Lomagundi Lakeside Association in Kariba. Nachts muss man hier auf der Hut sein, dass man nicht in die friedlich grasenden Hippos reinläuft!

Die Einwohner von Kariba leben einträchtig mit den sie umgebenden Tieren zusammen. Kein Elefant und kein Büffel wird verscheucht – und es funktioniert tatsächlich! Jederzeit und überall darf man mit Begegnungen rechnen. Ihr Motto: No Game – No Visitor – No Jobs! Lohnenswert ist der Besuch des Aussichtspunktes oberhalb der Kariba-Staumauer. Eine kleine Geschichte dazu:
1959 war der Damm fertiggestellt und wurde seiner Funktion übergeben, was für die Wildtiere der riesigen Region eine Tragödie bedeutete. Sie flüchteten sich zwar auf höher gelegene Gebiete, welche nach und nach aber zu Inseln wurden. In der Folge wurde die Operation Noah als bis heute grösste Tierrettungsaktion der Welt gestartet, welche von ca. Dezember 1958 bis Juni 1961 andauerte. Unter schwierigsten Bedingungen konnten zwischen 4‘500 und 6‘000 Wildtiere vor dem Ertrinkungstod bewahrt werden. Entsetzlich ist das Wissen, dass trotzdem viele Tausend Tiere die Stauung des Sambesi Rivers nicht überlebt haben.

Aufbruch zum Mana Pools Nationalpark – da stehen doch an der Piste im Ort drei riesige Elefantenbullen, die uns missmutig beäugen. Dann doch lieber ein Umweg! Kariba erstreckt sich – zumeist versteckt – über eine Länge von 10km. Mit 68kmh sind wir in Zimbabwe innerorts 8kmh zu schnell unterwegs, was uns eine Busse von 15$ kostet. Wir kriegen keine Quittung? Das entlockt uns heute bloss ein Grinsen – und den Polizisten auch. Schon wieder was zum Sonntagsbraten beigetragen:) Man fährt auf der Teerstrasse bis zum Permit-Office in Marongora. Kurze Zeit später gelangen wir auf die 31km lange, berüchtigte, harte Schotter-Wellblechpiste, vor der wir bereits gewarnt wurden. Gemütlich mit 25khm bis zum Gate – endlos! Die übrigen 42km bis zum Nyamepi-Camp sollen besser sein, sind sie aber überhaupt nicht! Man übe sich also in Geduld! Wunderschön sind unzählige, mächtige Baobabs, die gespenstisch aus dem Szene ragen. Schlussendlich sind die Strapazen aber schnell vergessen! Das Camp liegt direkt am Sambesi River (85$ pro Nacht für zwei Personen und Auto, allerdings nicht direkt am Ufer – das ist noch teurer)! Überall sind Wildtiere um und im nicht eingezäunten Camp zu sehen. Warzenschweine trinken bei den Camping-Wasserhähnen und leider gibt’s ebenfalls auch unzählige Paviane und Meerkatzen, welche sich wie überall als echte Landplage erweisen. Elefanten spazieren rund ums Camp, Büffel grasen gleich um die Ecke, nachts laufen Hyänen durchs Gelände und schlussendlich kommen auch Löwen zu Besuch.

Ach ja…die Strecke bis Mana Pools führt leider wieder durch Tsetse-Gebiet und wir kriegen erneut einige Stiche ab. Anderntags sieht mein Bein aus wie ein Brückenpfeiler mit Klumpfuss und fühlt sich auch genauso an. Nach nur einem kurzen Game Drive – viele Elefanten und Antilopen – muss ich wohl oder übel das „Bein“ hochlagern. Jetzt auch noch ein Hautausschlag – irgendwie fühle ich mich nicht mehr afrika-tauglich… Als es dunkel ist, hören wir plötzlich ein lautes Trompeten: Ein Elefant steht mitten unter den Campern und weiss weder ein noch aus. Nach einigen Minuten dreht er rüsselschwingend ab. Niemand hat ihn kommen hören, und auch sein Verschwinden geschieht lautlos.

Nach nur zwei Nächten verlassen wie Mana Pools leider bereits wieder und knattern die 73km bis zur Teerstrasse zurück. Besser ist es, das Ganze gemütlich zu nehmen. Zwei Österreichern ist auf dieser Strecke gleichentags der Tank runtergefallen… Gottlob haben Beat, Chateau und Reifen die Tortur unbeschadet überstanden!

Auf der Strecke nach Süden verbessert sich die Lebensmittel-Versorgungslage merklich. Auffällig sind in dieser Gegend verlassene Farmen und verfallene Farmhäuser. Das muss hier mal wunderschön ausgesehen haben. Genug gefahren, in Chinhoyi finden wir im Orange Grove Caravan Park ein Plätzchen – Warmwasser by Kübelservice.

Zimbabwe ist wohl das einzige Land im südlichen Afrika, wo man Alkohol schon vor 10:00 morgens erstehen kann! Entsprechend erfolgreich ist endlich mal wieder ein Einkauf im sehr gut sortierten OK Store. Nächstes Ziel ist der Antelope Park bei Gweru. Ein wirklich schönes Plätzchen, allerdings sind die Preise für Aktivitäten gesalzen: Spaziergang mit Löwen 85$ pP., Elefanten-Reiten 70$ pP usw. Toll ist, dass während der gesamten Nacht Löwengebrüll zu hören ist – gratis!

Ab Gweru erwarten uns eine nagelneue Teerstrasse, neue (lesbare) Verkehrsschilder, richtige Rastplätzchen und einige Baustellen. Aufgrund eines Hinweises suchen wir die Parrot-Lodge (CH-Leitung) ausserhalb des Zentrums von Bulawayo auf. Und wie sich das lohnt! Ein herrlicher Garten, Papageienkäfige und Internet-Zugang. Zimmer, Essen usw. – alles vom Feinsten für 60$ pro Nacht/Zimmer. Viele interessante Gespräche mit den Besitzern Kurt und Heidi Haas versüssen uns den Aufenthalt obendrein. Für den nächsten National Park benötigen wir wieder was zu essen, und im Bradfield Shopping Center kriegen wir alles, was das Herz resp. der Magen begehrt. Bulawayo ist übrigens eine adrette Stadt mit gepflegten Vororten. Aber wie fast überall in Zimbabwe funktionieren unsere Kreditkarten auch hier nicht – selbst bei vielen Bankomaten!

Nur 50km südlich von Bulawayo liegt Matobo – der Nationalpark mit den speziellen, wildromantischen Landschaften und bis zu 12‘000 Jahre alten Felszeichnungen.
Die ersten beiden (eiskalten!) Nächte verbringen wir am Maleme Dam ganz im Süden. Von allen bisher besuchten Parks in Zimbabwe ist dieser am leichtesten zu befahren…bis auf diese eine Strecke zu den schönsten Malereien überhaupt! Diese Kurven in der extrem ausgewaschenen Piste sind für unser Chateau definitiv zu eng. Als auch beim zweiten Versuch ein Vorderrad in der Luft hängt, ist Aufgeben angesagt.
Weiter gibt es im Matobo noch einen Game Park mit Nashörnern. Eine Menge Nashorn-Dung zeugt davon, dass sie sicherlich noch leben. Ansonsten können wir – ausser einigen Echsen – überhaupt nichts entdecken.
Cecil Rhodes hatte hier viel Privatbesitz und liess sich würdig beerdigen: Sein Grab liegt auf World’s View, einem fast schon magischen Ort mit herrlicher Panoramasicht.
Für die letzte Nacht fahren wir bis zum nördlichsten Punkt im Park und übernachten auf dem Sandspruit Campground. Es dauert allerdings etwas länger, bis wir via Parkverwaltung etwas Wasser organisieren können. Auch dieser Platz liegt nämlich an einem von Wildtieren besuchten Dam, wirkt aber gegenüber Maleme (mit Solarduschen!) leider ziemlich verwahrlost.

Noch ein kleines Detail: Auf der Strecke über 350km nach Beitbridge, dem einzigen Grenzübergang nach Südafrika, passieren wir in nicht weniger als zehn Polizeikontrollen! Diese gibt’s übrigens ausschliesslich an Teerstrassen!

Zimbabwe hat uns in vielerlei Hinsicht überrascht: Die Menschen, die so viel stolzer und selbstbewusster als die Sambier sind. Dann der Durchhaltewillen der Bevölkerung, die vieles entbehren musste und noch immer muss. Und nicht zu vergessen die fleissigen Mitarbeiter in den Nationalparks, die alles versuchen, damit das Wenige noch erhalten bleibt.

Jetzt freuen wir uns auf Südafrika und den Kruger National Park!

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17. Juli bis 8. August 2014 / Von Windhoek (Pension Uhland) bis Livingstone, Sambia

Unsere Freunde sind da! Selbstverständlich begrüssen wir die etwas erschöpften Madeleine und Urs sowie Roswitha und Koni am Flughafen von Windhoek, nachdem wir für uns alle einen Riesen-Einkauf getätigt haben. Wie immer dauert die Übernahme ihrer Mietwagen „etwas“ länger, und als sie endlich in der Pension Uhland eintreffen ist es schon fast dunkel. Zur Feier des Tages gehen wir ins bekannte Joe’s Bierhaus essen. Da steht am Eingang: Our Housewine: Jägermeister!

Der erste gemeinsame Streckenabschnitt – 516 km – führt uns ins Roy’s Camp nördlich der Ortschaft Grootfontein. Viele Kilometer, aber immerhin durch abwechslungsreiche Landschaften. Zweiter Tag: 415km bis Popa Falls, dritter Tag über 300km durch den Caprivi Streifen nach Katima Mulilo– immer eintöniger und flacher wird die Gegend. Auch Elefanten, welche hier ohne Einschränkungen zwischen Angola und Botswana wandern können, lassen sich nicht blicken. Heiss ist es hier oben – wir hoffen auf weniger kalte Nächte!

Obwohl Sonntag ist, können wir bei Pick’n Pay noch schnell was einkaufen. Ein einziger unachtsamer Moment von Koni – schon ist sein Rucksack mit dem gesamten Autopapieren, US$ und Ladekabeln weg. Innerhalb von Sekunden aus dem Auto gestohlen! Erst mal kräftig ärgern, was natürlich nichts bringt Wenigstens ist der Campingplatz der Zambezi River Lodge wirklich wunderschön, schon beinahe luxuriös. Die ausserordentlich hilfsbereiten Mitarbeiter an der Rezeption fahren mit zweien von uns zur Polizei und sorgen dafür, dass Koni einen – lesbaren! – Polizeirapport kriegt und kontaktieren sofort den Autovermieter. Da die Menschen hier in Namibias Norden des Englischen nicht wirklich mächtig sind, ist die Unterstützung eines Einheimischen mehr als wertvoll! Koni soll am Montag mit dem Rapport zusätzlich ein Ministerium aufsuchen und der Autovermieter wird die Ersatzpapiere am nächsten Tag faxen. Wohl wissend, dass sich die Einreise nach Sambia am nächsten Tag kaum in die Tat umsetzen lässt, bleiben wir halt noch eine Nacht länger hier. Niemand ist nach dieser öden Fahrerei darüber wirklich unglücklich.

Am 22. Juli reisen wir dann endlich nach Sambia ein. An der Grenze werden wir erst mal um Geld erleichtert: US$ 50.00 pro Person fürs 30 Tage-Visum, 600 Südafrikanische Rand Autoversicherung und 200 Sambische Kwacha Auto- und Strassenbenutzungsgebühren. Selbstverständlich ist der Bankomat leer und die Bank wechselt keine Namibia $. Trotzdem schaffen wir es, die Kwacha zusammenzukratzen, um bloss nicht bei einem der aufdringlichen Geldwechsler tauschen zu müssen. Nach einer Stunde ist es dann geschafft!

Die Strasse entlang des Zambezi Rivers bis Sioma ist geteert…und endet an einem Schutthaufen vor einer noch zu bauenden Brücke. Aber immerhin steht schon mal eine riesige Tafel, woraus zu entnehmen ist, dass die Strasse dann mal nach Senanga führen wird. Nach 70km Rumpelpiste erreichen wir den Ort Sitoti, wo soeben die Fähre den Geist aufgibt. Wohl oder übel also 70km zurück nach Sioma, um mit einer anderen Fähre über den Zambezi zu gelangen. Auf der anderen Flussseite erwartet uns dann eine Überraschung: Eine nagelneue Teerstrasse – weder auf GPS noch auf Karten ersichtlich. Die Chinesen müssen hier innert kürzester Zeit diese Strasse gebaut haben. Endlich – kurz vor Einbruch der Dunkelheit und 333km – in Senanga! Eine schräge Wiese in der einzigen Lodge ist unsere erste Übernachtungsstelle in Sambia.

Schlaglöcher, Lastwagenverkehr, immer wieder Ansiedlungen mit ungeheuren Speed Bumps entlang der Strecke sowie Menschen zu Fuss und per Fahrrad verhindern das Erreichen des nächsten Tageszieles. Wir schaffen gerade mal 301km bis Kaoma, wo wir in der Ishambingas Kraal Lodge auf dem Gelände campen dürfen.

Erstes Highlight ist der Kafue Nationalpark. Nach nur 143km Fahrt treffen wir im wunderschönen Mayukuyaku Camp ein und geniessen den Nachmittag. Das Wasser hier stinkt nicht nach Rost, die Duschen sind warm und alles ist ausserordentlich gepflegt – welch eine Wohltat! Der Game Drive anderntags ist dann nicht soooo ergiebig wie gehofft, denn die Piste führt fast ausschliesslich durch dichten Mopanewald. Immerhin einige Rappenantilopen und Flusspferde können wir ausmachen. Viel Elefanten-Dung liegt rum, doch leider lässt sich kein grauer Riese blicken. Was jedoch im Überfluss vorhanden ist, sind Tse-Tse Fliegen. Deren Stiche sind schmerzhaft und hinterlassen bei Madeleine und mir nässende Wunden. Einzig die cortisonhaltige Salbe von Roswitha hilft, und innert drei Tagen wird es merklich besser.

Nach weiteren 315km erreichen wir den Ort Kabwe – ohne jegliche Campingmöglichkeit. Eine ganz üble Piste bis Landless Corner kostet uns einen Stossdämpfer-Gummi, was wir erst mal notdürftig flicken lassen müssen. Wir haben keine andere Wahl, als im Wilson Guest House eine Nacht zu verbringen. Es gibt extrem viele Polizeikontrollen in diesem Land. Normalerweise werden wir durchgewinkt, lediglich bei Kabwe treffen wir auf eine korrupte Bande, bestehend aus Militär und Polizei. Die Führerscheine von Koni und Urs sowie unser Carnet de Passage werden von einer fetten Polizistin abgenommen und dem Obergangster übergeben, welcher in einer Hütte hinter einem riesigen, schmutzigen Schreibtisch thront. Unser Carnet wirft er neben sich auf den Boden und die Führerausweise in ein Ablagekörbchen, dann fordert er von uns 600 Kwacha pro Person (ca. Fr. 100), wobei er das selbstverständlich nicht begründen kann. Erst mal sage ich, dass wir nicht so viel Geld haben, dann einigt sich Beat mit ihm auf 200 Kwacha für uns alle. Für nichts natürlich immer noch zu viel…

Wieder haben wir gestern das gesteckte Tagesziel nicht erreicht und fahren dann los, so lange es geht. Nach 383km sollte gemäss Karte bei den Nsalu Caves (Höhlen mit Felszeichnungen, welche von Volltrotteln fas vollständig überschmiert wurden) ein Campingplatz bestehen. Es bleibt beim „sollte“! Weit genug weg von Ansiedlungen sind wir hier ja, da können wir „Wild Camping“ schon riskieren. Nachts kommen dann tatsächlich Menschen aus dem Wald und verschwinden im Busch – ohne jegliches Licht. Unglaublich!

Im Ort Mpika lassen wir unseren Stossdämpfer-Gummi professionell ersetzen, denn in den nächsten Tagen werden wir ausschliesslich auf Pisten fahren. Die Fahrt ins Luangwa-Tal ist landschaftlich mal was Anderes und die Piste nicht übel. Nach 264km stehen wir am Eingang zum North Luangwa National Park und nur dank Intervention von Madeleine und Beat kriegen wir das Chikolongo Camp angeboten, welches über rudimentäre sanitäre Anlagen verfügt. Der Attendant macht auf einem Feuer vor seiner Hütte heisses Wasser für unsere Duschen. Nach den letzten Tagen wahrlich dringend! Und immerhin gibt es eine Toilette, wenn auch mit manueller Spülung.

Der nächste Tag wird dann echt abenteuerlich. Erst mal runter zum Luangwa River. Hier erwartet uns Tiefsand und ein wackliger, handbetriebener Ponton, mit welchem alle drei Wagen innert einer Stunde das andere Flussufer erreichen. Etwa 30 Flusspferde machen ordentlich Krach – also reinfallen sollte man hier nicht! Wir Frauen müssen übrigens auf einem schmalen Brett draussen neben den Autos stehen. Ein einzelner Mann zieht die „Fähre“ mit einem Holzpflock über ein Stahlseil rüber – strong man!
Es folgt eine anstrengende, kurvige Piste – immer um Bäume rum! Kurz vor Zokwe dann das Dessert: Ein entgegenkommender Lastwagen steckt im fast trockenen Flussbett fest – kein Wunder bei Null Profil auf den Reifen! Die Piste ist eng und rundum brennen Feuer von den vielen Brandrodungen – kein Durchkommen für uns. Nur wir zwei haben Sandbleche dabei, die könnten wir dann allerdings entsorgen. Nach mehreren vergeblichen Befreiungsversuchen der Einheimischen fasst sich Beat ein Herz und fährt den Land Rover vor den LKW. Abschleppgurt festmachen und los. Fast mühelos zieht unser Landy den LKW das steile Flussufer hoch. Nach über einer Stunde können wir weiter und treffen bei Dämmerung am Eingang zum Nsefu Sektor ein. Leider zieht sich die Zettel-Prozedur auch noch in die Länge, und bis wir dann auf dem Campsite der Luangwa Wilderness Lodge fahren – nach nur 190 Tageskilometern -, ist es bereits dunkel. Erwähnen wollen wir aber, dass die Mitarbeiter der Lodge unverzüglich heisses Wasser aufbereiten und die Toiletten kontrollieren. Alles tiptop! Einzig Hippos sind zu hören, sehr nah und laut. Wir haben natürlich keine Ahnung wie es hier aussieht.
Morgens stehen wir gespannt früh auf und freuen uns ungemein ob der schönen Landschaft. Der Fluss ist hier sehr breit und die Flusspferde ungemein zahlreich. Gottlob ist das Campsite-Ufer zu steil, die Hippos können hier kaum an Land und bevorzugen die flachen Sandbänke weiter draussen.

Nach lockeren 113km erreichen wir am 30. Juli den kleinen Ort Mfuwe, wo wir uns im Tankstellenshop überraschend gut mit Lebensmitteln, Bier und Wein eindecken können, ehe wir zum Wildlife Camp aufbrechen. Und hier gibt es wahrlich Wildlife! Viele Hippos im Luangwa River, immer mal wieder sind trinkende Antilopen zu sehen, und Elefanten erleben wir hier mindestens zweimal täglich buchstäblich hautnah! Einziges Ärgernis sind die frechen Affen. Autos immer geschlossen halten ist die Devise! Am zweiten Morgen hören wir die Kerle auf dem Dach rumlaufen und unsere Windschutzscheibe ist voll von Affenpisse und –kacke. Nachdem wir sie einige Male mit Steinen bewerfen haben wir dann ein wenig Ruhe.
Hier bleiben wir drei Nächte und lassen uns im South Luangwa National Park rumfahren. Der Game Drive startet um 16:00 Uhr und dauert vier Stunden. Toll, was wir nachts alles zu sehen kriegen – Highlight ist ein Leopard, der vor einer Impala-Herde auf der Lauer liegt!

Vom Befahren der Petauke Road (Escarpment-Abfahrt!) wird dringend abgeraten. Nach den letzten Tagen haben wir auch wirklich keinen Bock mehr, noch heftiger durchgeschüttelt zu werden! Die 312km bis Petauke auf angenehmer Teerstrasse sind relativ schnell geschafft. Auf dem Campsite der Chimwemwe Lodge haben wir ungemütliche Nachbarn: Ein Volk afrikanischer Killerbienen! Wir stellen uns so weit weg wie möglich vom Nest auf und haben unsere Ruhe!

Das nächste Tagesziel – ein „No Name Camp“ – gibt es offensichtlich nicht mehr und ich schlage vor, einfach in Richtung Lusaka weiter zu fahren. Die berüchtigte Leopard Hill Road erübrigt sich somit ebenfalls. Auf dem Weg zu Sambias Hauptstadt gibt es tatsächlich keine Campingmöglichkeiten mehr, und der Platz innerhalb der Stadt gehört heute zu einem Golf-Hotel. Es bleibt nur, mitten durch Lusaka zu fahren, was einfacher ist als gedacht. Einzig auf die an Rotlichtern zwischen den Autos rumlungernden Typen muss man achten, die versuchen frech, Autotüren zu öffnen. Einige km südlich treffen wir dann – nach „ungewollten“ 418km – auf dem Eureka Campsite ein.

Dafür liegen anderntags lediglich 134km vor uns. Nach einer sehr abwechslungs- und kurvenreichen Strecke übers Gebirge stehen unsere Wagen bereits am frühen Nachmittag auf dem wunderschönen Platz der Zambezi Breezers Lodge beim Grenzort Chirundu. Ein Muss ist ein Bootstrip auf dem Zambezi River! Das andere Flussufer gehört bereits zu Zimbabwe und ist ein Schutzgebiet. Immer wieder sind im Schwemmland unglaublich riesige Elefanten zu sehen, ausserdem die unvermeidlichen Hippos, einige Krokodile und jede Menge verschiedener Vögel.

Eine sehr angenehme Überraschung ist nach weiteren 212km der Moorings Campsite beim Ort Monze. Sowas Gepflegtes und Sauberes sieht man als Camper in diesem Land nicht oft!

6. August – nur noch 306km bis Livingstone bei den Victoria Fällen. Der Platz bei der Livingstone Safari Lodge ist dann – gelinde gesagt – renovierungsbedürftig. Am Nachmittag besuchen wir die weltberühmten Fälle – diesmal natürlich auf sambischer Seite. Zauberhaft ist das Licht am späten Nachmittag und die Fälle sind mehr als imposant. Wir sehen diese ja bereits zum dritten Mal – trotzdem immer wieder ein gewaltiger Anblick.

Morgens dann müssen wir uns bereits von unseren Reisegefährten verabschieden, denn sie fahren heue zurück nach Namibia. Schön war‘s mit euch – vielen Dank dafür! Ihr werdet uns sehr fehlen!

Und wir beide suchen nach einer Internetverbindung und nisten uns für zwei Nächte im Jolly Boy’s Camp ein. Reiseplanung für Zimbabwe, Reisebericht schreiben, Auto vom Staub befreien, Wäsche waschen – es gibt viel zu tun!

Noch ein paar Worte zu Sambia
Als Erstes bemerken wir die riesigen Flächen verbrannter Erde. Überall ist Rauch zu sehen und der Himmel erscheint oft gelblich. Hier wird hauptsächlich Brandrodung betrieben – und damit der Boden dauerhaft geschädigt, weil in zu kurzen Zeitabständen wieder angebaut wird.
Weiter augenfällig sind die unzähligen lebhaften Dörfer und namenlosen Kraal-Siedlungen – alles entlang den Strassen und Pisten. Das eigentlich dünn besiedelte Land wirkt auf Durchreisende beinahe überbevölkert. Bei fast jedem Hüttchen existieren – zur Verkehrsberuhigung – hohe Speed Bumps oder es wurde einfach der Asphalt über mehrere Meter zerstört. Das ganze Leben scheint sich an den Strassen abzuspielen, wobei das Hauptverkehrsmittel Fahrräder sind – Millionen davon! Damit werden ganze Familien und schwerste, sperrige Lasten transportiert. Die Sambier leben zum grössten Teil noch sehr traditionell und sind auch stolz darauf.
Meist sind die Menschen freundlich und winken uns lachend zu. Angebettelt werden wir selten und hauptsächlich im Norden, dafür aber richtig aggressiv. Kinder stehen sekundenschnell um die Autos, sobald wir mal anhalten müssen. Beim wütendem „give me“ endet auch schon der englische Wortschatz – zu Gesprächen kommt es leider nur selten.
Die Mütter sind jung – sehr jung! Kaum ein junges Mädchen ohne Baby am Rücken. Dafür treffen wir nur selten auf ältere Menschen. Die Lebenserwartung liege in Sambia bei 36 Jahren, die Aids-Rate bei über 20%. Aber immerhin existieren sehr viele Schulen – hoffen wir, dass die Bildung in die richtige Richtung zielt und dem Land was bringt!
Normale Autos sind ausserhalb von Lusaka nicht oft zu sehen, hauptsächlich sind es völlig überladene, riesige Lastwagen, welche dann auch häufig wegen Pannen liegenbleiben.
Nach ein paar Tagen stellen wir fest, dass es ausserhalb der National Parks nirgends Tiere zu geben scheint. Keine Vogelstimmen, keine Antilopen – nichts! Irgendwie seltsam…
Überall im Land gibt es katholische Missionen sowie irgendwelche Erweckungskirchen. Neuerdings ist auch der Islam auf dem Vormarsch, die Moscheen ragen schon von weitem aus der Buschlandschaft. Was uns aber nachdenklich stimmt, sind die unzähligen Ableger der Zeugen Jehovas – überall im Land! Diese einfachen Menschen hier sind wahrlich leicht zu beeinflussen!
Sambia wird von China stark unterstützt – jedenfalls was den Strassenbau betrifft. Augenfällig sind Fabriken, Lastwagen und Überlandbusse mit chinesischen Schriftzeichen. Was sich China davon verspricht – keine Ahnung! Ausser Kupfer verfügt das Land über keine (bekannten) Bodenschätze.
Sambia lässt bei uns gemischte Gefühle zurück, und wir sind sehr gespannt, in welche Richtung die Entwicklung vorangeht. Eines ist sicher: Sambia zu bereisen ist kein Fall für Afrika-Anfänger.

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1. bis 16. Juli 2014 / Von Keetmanshoop bis Windhoek (Trans Kalahari Inn)

Leider wurde aus der geplanten Woche im Kgalagadi National Park nichts (keine Chance ohne Vorausbuchung), so dass wir bereits am 1. Juli über Rietfontein nach Namibia einreisen. Die Beamten sowohl auf südafrikanischer wie auch auf namibischer Seite wissen mit unserem Carnet de Passage nichts anzufangen. Beat muss jedem erst mal erklären, welches Papier er behalten soll und wo der Stempel anzubringen ist. Das kann ja heiter werden… Die Strassenbenutzungsgebühren müssen wir – warum auch immer – im nächsten Dorf entrichten. Aber eigentlich geht alles recht schnell über die Bühne. Genau beim Schlagbaum beginnt auch die für Namibia so typische Schotterpiste, über welche wir dann mit 100 Sachen (zu schnell natürlich) dahinrauschen – es ist fast wie fliegen. Die Farmgebäude liegen hier unendlich viel weiter auseinander, und schon bald sind die ersten Köcherbäume und in der Ferne Gebirgszüge zu sehen. Und – ooops – gerade noch erinnert: Namibia hat Minus 1 Std. zu Südafrika!

Am Nachmittag checken wir für zwei Nächte in der Central Lodge in Keetmanshoop ein, denn wir wollen uns heute unbedingt das Fussballspiel Schweiz – Argentinien anschauen. Abgesehen davon benötigen wir dringend einen Wäsche-Service und Internet. Die Schweizer spielen wirklich sehr gut und verlieren leider trotzdem mit 0:1 – die Fan-Shirts verschwinden im Schränklein! Anderntags dann Reisebericht schreiben, Fotos hochladen und das Auto mit den frisch gewaschenen Sachen wieder einrichten.

Nur gerade 40km nordöstlich liegt das Mesosaurus Camp, welches uns sehr interessiert. Der Farmer hat sich bei Universitäten kundig gemacht und weiss einiges über diese uralten Fossilien zu berichten, welche haufenweise auf seinem Land rumliegen:

Mesosaurus lebte vor 290 bis 270 Mio. Jahren in einem Binnenmeer, welches sich von Afrika bis Südamerika erstreckte, im Ur-Kontinent Gondwana. Dass in Südamerika exakt die gleichen Fossilien gefunden wurden, beweist die Theorie vom Auseinanderdriften der Kontinente. Das Reptil wurde zwischen 40 und 100cm lang und stand damals an der Spitze der Nahrungskette – weit vor dem Auftauchen der Dinosaurier.

Auf dem riesigen Farmgelände stehen ausserdem etwa 5‘000 Köcherbäume (eigentliche Baum-Aloen), welche gerade jetzt herrliche Blüten tragen. Die Buschleute fertigen aus den hohlen Ästen Köcher für ihr Pfeile, daher der Name der Pflanze. Auch eine Menge mit Wüstenlack überzogenes Doloritgestein liegt hier rum – Hinterlassenschaft eines Schlammvulkans, der mächtig gespuckt haben muss. Dass es hier auch Gräber deutscher Schutztruppen-Soldaten gibt, ist eher zufällig. Diese wurden nämlich jeweils genau an der Stelle beerdigt, wo sie gefallen sind.

Anderntags wieder einige km Schotterpiste bis zum Red Dune Camp. Der findige Chef der Farm „Traanendal“ bietet Campingplätze auf einer roten Sanddüne mitten in der Kalahari an. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen! Luft aus den Reifen und rauf auf die Düne. Weite, Stille und Unberührtheit der Landschaft sind einfach atemberaubend. Einen weiteren Tag wollen wir auf dem Farmgelände auf einem Rasenplätzchen verbringen. Unter anderem kann man hier auch leckeres Kudu- und Springbockfleisch sehr günstig erstehen.

Morgens vor der Weiterfahrt dann -3C°, sämtliches Wasser ist gefroren! Einzig aus einem Bohrloch kriegen wir einen Kübel voll, immerhin! Der Farmer besitzt einen sehr starken Kompressor, um unsere Reifen wieder aufzupumpen. Mit etwas Verspätung geht’s dann weiter.

Die Landschaft im Südosten Namibias ist etwas eintönig: Flache Halbwüste, Rinder- und Schafzucht. Die Farmen im Süden sind mit 10‘000 bis 15‘000 ha ausgesteckt, bei so wenig Regen (30mm/Jahr) ist das auch nötig. In Marienthal können wir kurz vor Mittag noch einkaufen – Alkoholisches wird allerdings am Sonntag nicht verkauft. Da sind sie knallhart. Am Nachmittag erreichen wir den kleinen, staubigen Ort Maltahöhe. Ein Campingplatz ist geschlossen, auf dem Camp der Oa Hera Backpackers sind wir die einzigen Gäste. Abends wird es bitterkalt, und wir sind sehr froh, dass der Besitzer für uns etwas Warmes kocht. Heute sind wir um unsere kleine Standheizung extrem froh! Auch morgens lassen wir etwas warme Luft in die Kabine strömen, damit das Aufstehen dann bei 5C° etwas erträglicher wird.

Mit triefenden Nasen los in Flusstal des Tsauchab River zum Camp Hauchabfontein. Der Fluss zeigt sich auf dem Gelände kurz an der Oberfläche, wo offenbar ganzjährig ein paar Pools übrig bleiben. Aber Baden hier – da sind wir zu wenig hartgesotten, obwohl es heute angenehm warm ist! Das Camp ist aber traumhaft schön mit weit auseinander angelegten Plätzen. Abends wird der Weg zu den Waschräumen mit Kerzen beleuchtet und auch Holz steht zur freien Verfügung.
Morgens um 07:30 holt uns die Farmerin Irmi Foerster mit ihrem Auto ab, um uns etwas über die unglaublich vielen, widerstandsfähigen Pflanzen sowie ihren ganz privaten Köcherbaumwald zu erzählen. Auch wenn wir schon oft in Namibia waren – alles wussten wir denn doch nicht. Neben Leopardenspuren erblicken wir in der Ferne dann ein paar seltene Bergzebras. Es weht ein schneidend kalter Wind und wir sitzen zwei Stunden auf dem offenen Pick Up. Zurück im Camp erst mal heissen Tee und eine Menge Papiertaschentücher!

Die Weiterfahrt zum Camp & Lodge Hammerstein dauert nur kurz, bereits um die Mittagszeit treffen wir ein. Hier laufen zutrauliche Springböcke auf dem Gelände rum. Einem davon mussten die Hörner abgesägt werden, da er gerne Touristen rammt – was ich dann auch zu spüren bekomme. Gleich hinter dem Camp verläuft ein Zaun, an welchem sich ein liebesbedürftiger Oryx die Hörner reibt. Aber es wurde uns eingeschärft: Nicht streicheln! Ausserdem gibt es hier grosse Gehege mit Raubkatzen. Beim Leopardenweibchen bleibt man ausserhalb des Zauns, die Wüstenluchse und Geparde dürfen wir aber unter Begleitung aus der Nähe betrachten. Vor allem die Geparde lassen sich überhaupt nicht beirren und liegend laut schnurrend vor unseren Füssen. Berühren ist leider aber auch hier nicht erlaubt. Auf Hammerstein lassen wir uns mal am reichlichen Buffet verwöhnen, benutzen die Liegestühle am (eiskalten) Pool und melden uns mal wieder zuhause. Insgesamt also zwei richtige Ferientage – muss auch mal sein!

Über Solitaire – nur Lodge, Tankstelle und Bäckerei – fahren wir dann weiter über den „Pass der Pässe“ in Namibia: Spreetshoogte. Klar gibt es noch steilere Pässe (und leider wurde dieser inzwischen PW-tauglich gemacht), aber die Aussicht von hier oben auf den Namib Naukluft Park ist atemberaubend! Etwa 10km unterhalb der Passhöhe bleiben wir auf dem winzigen Camp Spreetshoogte, sitzen nur da, bewundern die herrliche Landschaft und geniessen die absolute Stille. Sogar heiss duschen kann man hier – unglaublich!

Die Stadt Rehoboth liegt etwas südlich von Windhoek, und in der Nähe gibt’s ein Naherholungsgebiet mit Campingmöglichkeit am Stausee Lake Oanob. Hier verbringen wir nochmals zwei Tage – auch, um uns im Restaurant das Finalspiel Deutschland gegen Argentinien anzuschauen. Aber auch ein neuer Reisebericht ist bald fällig, und unsere Buchhaltung bedarf der Nachführung. Auch wenn wir gerne an schönen Plätzen übernachten und dafür auch bezahlen (wildes Campieren ist in Afrika nicht empfehlenswert), uns ab und zu ein Restaurant-Essen gönnen und einiges unternehmen, haben wir wirklich nicht viel Geld verbraucht – das ist doch mal was sehr Erfreuliches!

Einige km nördlich von Windhoek liegt Dürsternbrook, die älteste Gästefarm Namibias. Die letzten 18km Piste haben’s in sich! Wir als Schweizer staunen immer wieder, wie abgelegen und oft schwierig erreichbar diese Unterkünfte sind. Es bleiben gerade mal ein paar Minuten, um endlich etwas zu essen, ehe wir uns in ein Leoparden-Gehege fahren lassen. Es handelt sich hier um ein Männchen, ein unwahrscheinlich schönes und muskulöses Tier. Gottlob hat der Fahrer eine Menge Fleisch dabei, so ist „Teddy“ – so sein Name – meist abgelenkt. Wenn er sich aufrichtet und mit seinen riesigen Pranken das Futter auffängt oder sich duckt und uns mustert, wird einem schon etwas bange. Dagegen wirken im anderen Gehege die vier Geparde wie zu gross geratene Hauskatzen. Natürlich sind sie sehr wild, jaulen, fauchen und streiten sich um jeden Happen. Nicht wirklich zahm, aber wir fühlen uns nicht bedroht. Dass all diese herrlichen Katzen nur wegen ihrer Felle an den Rand der Ausrottung getrieben wurden, stimmt uns sehr traurig. Wie kurzsichtig doch Menschen sein können!

Der Campground liegt herrlich einsam an einem Fluss und rund 10 Gehminuten von der Lodge entfernt. Ein unbeschreiblicher Sternenhimmel mit der gut sichtbaren Milchstrasse, der Vollmond und unser kleines Holzfeuer – so kann Glück aussehen!

Am nächsten Tag mieten wir in Windhoek schon mal den Potje (ein Gusseisentopf, der direkt aufs Feuer gestellt werden kann). Die letzte Station vor dem Eintreffen unserer Reisekameraden ist der Campingplatz der Trans Kalahari Inn-Lodge. Hier werden wir auch vor unserer Heimreise im Oktober das Auto stehen lassen. Waschen, das Auto-Innere gründlich vom Staub befreien, Trink- und Brauchwassertanks füllen – der Tag geht rum wie nix. Morgen werden unsere Freunde ankommen, und wir wollen vorher noch für alle drei Wagen einkaufen sowie sie natürlich mit einer Überraschung am Flughafen empfangen. Ab morgen geht die Reise also für über drei Wochen zu sechst weiter und wird uns in ein weiteres afrikanisches Land führen. Mehr dazu dann im nächsten Bericht!

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20. bis 30. Juni 2014 / Von den Cango Caves bis zum Kgalagadi Transfrontier National Park

Für kurze Zeit verlassen wir heute die Garden Route, um weiter nördlich die Cango Caves zu besuchen. Es handelt sich um Kalksteinhöhlen gewaltigen Ausmasses. Der Eingang wurde bereits 1780 entdeckt und bis 1975 wurden zwei weitere „Kammern“ gefunden. Die letzte und grösste hat ein Ausmass von drei Sportplätzen und ist über 80m hoch. Inmitten von Sinterterrassen sowie riesige Stalagmiten und Stalaktiten, welche teilweise 1,5 Mio. Jahre alt sind, kommen wir uns ganz unbedeutend vor. Drinnen herrscht eine konstante Temperatur von 18C°, was den zweistündigen Aufenthalt recht angenehm macht. Rein darf man leider nur geführt, da viele Gesteinsformationen – gut ersichtlich – zwecks „Souvenir-Sammlung“ zerstört wurden.

Die äusserst trockene und im Sommer extrem heisse Gegend um Oudtshoorn (bis 50C°) eignet sich hervorragend für die Straussenzucht. Der Besuch einer solchen Straussenfarm bietet sich also geradezu an, um einiges zu lernen.

Mit 11 Monaten sind diese grössten Vögel der Erde schlachtreif, sie können allerdings gut und gerne 70jährig werden! Die Jungvögel – 30 pro Gelege – sind äusserst empfindlich für Augen- und Halsentzündungen sowie Beinbrüche. Die erwachsenen Strausse scheinen jedoch sehr robust zu sein, denn sie lassen sich (ungerne) auch reiten! Bis 200kg Gewicht können auf einem Straussenei liegen, ohne dass es kaputt geht. Ein kleines Detail noch: Eines der wunderschönen Augen wiegt 40g, das Hirn lediglich 30g!

Mangels Campingplatz quartieren wir uns im „Backpackers Paradise“ in Oudtshoorn ein. Es gibt immerhin Internet, Fernsehen und eine Wäscherei in der Nähe. Abends – viele junge Leute benutzen diese Unterkunft – setzen wir uns dann gemütlich vor den Kamin im Aufenthaltsraum und „konfiszieren“ erst mal die TV-Fernbedienung. Die Schweiz spielt heute gegen Frankreich, das erste Spiel, welches wir uns anschauen können. Das Schlussresultat von 2:5 ertränken wir dann erst mal mit einer Flasche südafrikanischem Merlot…

Die Rückfahrt an die Küste führt über wunderschöne Pässe direkt nach Knysna. Ein hübscher, aber sehr touristischer Ort, wo sich Restaurants und Shops dicht an dicht aneinander reihen. Gegen Souvenirshops sind wir eh immun und nur wenige Kilometer weiter liegt der paradiesisch anmutende Campground „Woodsworth“. Eine herrliche Gartenanlage – ganz für uns alleine. Abends können wir uns dank unseres Weltempfänger-Radios einen weiteren Fussballmatch reinziehen.

Weiter auf einer National Route – eine Art Autobahn – ostwärts. Die Pannenstreifen dienen einerseits zum Ausweichen vor Überholern und andererseits als Wege für Fussgänger. Und Velofahrer. Immer wieder laufen Rinder und Paviane über die Strasse, da muss Beat ganz schön auf Draht sein. Aber er macht das wie immer souverän, auch das Linksfahren ist schon Normalität geworden. Nicht zu übersehen sind die Townships, welche heutzutage oftmals an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen sind – immerhin etwas! Bettelnde Kinder vor Supermärkten und Tankstellen tun uns zwar unsäglich leid, aber Geld geben ist absolut tabu.

Am frühen Nachmittag treffen wir im Addo Elephant Park ein. Da noch nicht Ferienzeit ist, kriegen wir problemlos einen Platz auf dem Caravan Park zugeteilt.

Der Addo-Park wurde 1931 als letzte Zuflucht für die fast ausgerotteten Kap-Elefanten eingerichtet. Auch die Kap-Büffel gibt es ausschliesslich nur noch hier. Ein kleiner Game Drive liegt heute noch drin! Die erste Elefanten-Familie lässt nicht lange auf sich warten. Auf der anderen Seite der kleinen Herde steht bereits ein weiterer Wagen und sofort fühlen sich die Tiere bedrängt. Ein tiefes Grollen, Rüssel heben und Ohren wackeln…eine Elefanten-Kuh nähert sich uns bedrohlich und selbst ein Kleiner übt sich schon mal trompetend in gefährlichem Auftreten. Respektvolles Zurückweichen ist nicht möglich, da auch hinter dem Auto Elefanten stehen… Kurze Zeit später ist der Spuk aber vorbei. Abends dann erstmals ein wunderbares Holzfeuer und ein duftendes Steak vom Grill.

Zweiter Tag: Frühmorgens brechen wir zu einer grossen Rundfahrt bis zum südlichsten Punkt des Parks auf. Buchstäblich überall sind Elefanten, Warzenschweine und Kudu-Antilopen zu sehen. Hin und wieder laufen uns auch Zebras, Strausse und Elen-Antilopen über den Weg. Seit 2003 gibt es im Park wieder Löwen, trotzdem scheint uns die Population an Antilopen und Warzenschweinen aussergewöhnlich hoch. Abends beobachten wir dann auf einer Lichtung hunderte von Elefanten in friedlicher Eintracht – wohl eine Art Versammlung.

Am Abreisetag unternehmen wir noch eine kurze Tour zu den nahe gelegenen Wasserstellen. Offensichtlich haben sich sämtliche Elefanten irgendwohin verdünnisiert. Die haben wohl gestern Abend vereinbart, sich in ruhigere Gegenden des Parks zu begeben! Noch kurz ins Elefanten-Haus, wo der riesige Kopf von Hapoor ausgestellt ist, einem riesigen Elefantenbullen, der 24 Jahre lang unangefochtener Herrscher über die Addo-Elefanten war. Am Ende wurde er dann von einem Jungbullen besiegt, hat die massive Parkabschrankung überklettert (!) und musste anschliessend leider erschossen werden.

Weiter geht’s nun nordwärts durch Jansenville – die Gegend der Angoraziegen und Merinoschafe – nach Graaff-Reinet. Das hübsche Städtchen wird zu Recht auch „Juwel der Karoo“ genannt. Über 200 historische, gut erhaltene Gebäude aus der Kolonialzeit ringen uns Bewunderung ab.

Die Weiterfahrt führt uns über Pässe wie Naudeberg (1466MüM) und Lootsberg (1781MüM). Auf letzterem sind die kleinen Wasserstellen noch gefroren! Der „Caravan-Park“ in Britstown ist sehr schmutzig und wirkt wenig vertrauenerweckend, da wir umgehend von bettelnden Kindern umringt sind. Wir beschliessen kurzerhand, noch etwas weiter nordwärts zu fahren und finden auf dem Campingplatz der Farm Kambro eine sichere Bleibe. Nachts beginnt es dann ein wenig zu regnen. Hier kann es offenbar ganz übel nass werden. Es gibt Fotos, auf denen das Farmgelände völlig unter Wasser steht – und das mitten in der Karoo-Wüste.

Den Mokala Nationalpark lassen wir wegen anhaltenden Regenfällen sausen und fahren direkt auf der schnurgeraden N12 nach Kimberley. Der Caravan Park liegt unmittelbar neben dem Big Hole – der grossen Attraktion dieses Ortes. Der Campground scheint uns relativ sicher, unabdingbar in der Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in Südafrika!

In der Nähe der Stadt wurde 1867 ein Diamant von 21,25 Karat gefunden, welcher später auf den Namen Eureka getauft wurde. Der Stein tauchte übrigens 1974 in der Schweiz wieder auf und ist seither in Privatbesitz. Es wurde ein weiterer Diamant ähnlicher Grösse gefunden, was eine erste Welle von 10‘000 Schürfern nach Kimberley spülte. Es gab weitere Funde auf einem Farmgelände, die alles übertrafen und weitere 50‘000 Glücksritter anlockten. Das Big Hole ist 800m tief, hat einen Durchmesser von 1‘500 Metern und ist damit eines der grössten von Menschenhand geschaffenen Löcher der Welt. Es kann heute über eine 90m lange Aussichtsplattform bewundert werden. 14,5 Millionen Karat Diamanten wurden aus dem Kimberlit-Schlot geholt! Das Big Hole soll – wie die Chinesische Mauer – vom Weltraum aus sichtbar sein. Im Diamanten-Museum können wir dann einige der verführerisch funkelnden Objekte bestaunen. Man kann die damaligen Glücksritter irgendwie verstehen!

Am 27. Juni beginnen in Südafrika die vierwöchigen „Winterferien“. Ab sofort sind unzählige Wohnwägeler und PW’s mit Campinganhängern unterwegs. Abgesehen davon gibt es in diesem Gebiet diverse Minen, was einen enormen Lastwagenverkehr mit sich bringt. Der Campingplatz in Kuruman scheint uns nicht sicher, und abgesehen davon gibt es im Ort seit zwei Tagen kein Wasser! Wir sind ganz schön froh, einigermassen rechtzeitig auf dem Campingplatz der Shomatobe Lodge ausserhalb des Ortes einzutreffen.
Zwei sehenswerte Dinge lohnen den Aufenhalt hier:
The Eye of Kuruman: Ein Naturwunder und Nationales Monument! Aus dieser grössten Quelle der südlichen Hemisphäre sprudeln täglich 20 bis 30 Millionen Liter glasklares Wasser.
Moffat Mission: Von Dr. Robert Moffat 1826 gegründet. Wunderschön, weil sehr schlicht, ist die Steinkirche mit Riedgrasdach, welche 800 Menschen Platz bietet. Der berühmte David Livingstone hat hier geheiratet und fand sein erstes Zuhause auf dem Gelände der Mission.

Ganz besonders freuen wir uns aber jetzt auf den Besuch des Kgalagadi Transfrontier National Parks! Der 40‘000 qkm grosse Park wird von Südafrika und Botswana gemeinsam verwaltet und ist das grösste unberührte Ökosystem im südlichen Afrika. Leider hatten wir keine Chance mehr auf einen Campingplatz im Park, aber wenigstens finden wir auf dem Gelände der Molopo Kalahari Lodge ein schönes Plätzchen. Die 60 km Anfahrt zum Parkeingang nehmen wir gerne in Kauf.

Im zurzeit trockenen Flussbett des Auob River geht’s los in Richtung Mata Mata Camp. Wir können uns nicht satt sehen an den prächtigen Oryx-Antilopen sowie Springbock- und Gnu-Herden.
Und dann: Auf einer Klippe am Flussufer bewegt sich was ganz Anderes! Es ist tatsächlich ein Leopard, der nun unerschrocken in unsere Richtung läuft und unser Auto etwas verdutzt mustert. Leider fährt nun ein zweiter Wagen dazu und er zieht sich blitzartig zurück. WOW – das sieht man nun wirklich nicht alle Tage!!

Wir beschliessen, über die Dünen ins Trockenflussbett des Nossob River zu fahren. Tiere sind zwar kaum zu sehen, trotzdem lohnt sich die Fahrt der herrlichen Landschaft wegen. Ups – beinahe die Zeit vergessen! Es sind noch viele km bis zum Gate und bis 18:00 Uhr muss man draussen sein! Dieses Flussbett ist wesentlich besser zu befahren und Beat gibt ordentlich Gas. Aber an etlichen Wasserstellen schauen wir uns doch um – und an einer liegt wirklich ein Löwenpärchen, welches soeben mit Arterhaltung beschäftigt ist. Welch ein Glückstag!

Die Sonne fällt just vom Himmel – genau so schnell wird es hier nämlich dunkel –, als wir wieder auf dem Campground sind. Unsere letzte Nacht in Südafrika, denn morgen reisen wir nach Namibia ein. Unglaublich, was wir bis jetzt alles erleben durften!

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4. bis 19. Juni 2014 / Von Cape Town bis Mossel Bay

Einziges Ärgernis auf unserer Reise nach Cape Town sind die Verkehrsbetriebe Luzern. Eine halbe Stunde warten wir vergeblich auf den Bus und erreichen dann den Zug erst in allerletzter Minute – aber immerhin… Alles Übrige verläuft problemlos und pünktlich. Cape Town empfängt uns am 5.6. gebührend mit einem kurzen Hagelgewitter. Aber hier ist das Wetter stets unbeständig, insbesondere in den Wintermonaten – kein Problem:)

Wir wohnen in einem kleinen Appartement an der Logan Street, nur 15 Gehminuten von der Waterfront entfernt, und die Aussicht von unserer eigenen Terrasse auf Cape Town ist einfach atemberaubend.

Erst mal die Mailbox öffnen – was wir da sehen, lässt uns kurz innerlich aufschreien: Bereits daheim ist uns aufgefallen, dass der Frachter mit unserem Container vor dem Hafen seine Runden dreht. Nun wird uns vom Spediteur vor Ort mitgeteilt, dass der Kahn wegen eines Sturmes nicht einlaufen konnte und zurzeit nach Port Elizabeth unterwegs ist. Dort erfolgt eine Umladung auf ein anderes Schiff, welches erst am Montag – dem Tag unserer geplanten Abreise – in Cape Town eintreffen wird… Aber in dieser wunderschönen Stadt kann man sich extrem gut die Zeit vertreiben – alles halb so wild!

Die nächsten beiden Tage verbringen wir bei schönstem Sonnenschein mit Sightseeing-Touren. Selbst der Table Mountain ist frei von den ansonsten hartnäckigen Wolken, doch ein eiskalter Wind treibt uns ganz schnell wieder in tiefere Lagen. Es sind kaum Touristen in der Stadt, und es gibt überall mehr als genügend freie Plätze, sei es im Bus, in den Restaurants oder bei Weindegustationen – genau unser Ding.

Es folgen zwei stürmische Regentage, und wir müssen ganz schön auf die Zähne beissen, um die warme Stube überhaupt zu verlassen. Ärgerlicherweise befinden sich all unsere warmen Jacken ja im Auto. Am Dienstag dann – wir sitzen im Sonnenschein an der Waterfront auf einer Terrasse im 1. Stock – sehen wir zwei Containerschiffe einlaufen. Einer wird bestimmt unser Auto bringen – da sind wir uns sicher! Zurück in der Wohnung kriegen wir auch prompt die Mitteilung, dass wir bereits morgen um 10:30 im Büro des Spediteurs erwartet werden. Die für uns zuständige Dame von Mega Freights hat übrigens tolle Arbeit geleistet und uns täglich Updates geschickt – das hatten wir einst ganz anders erlebt!

Am Donnerstag, 12.6., folgt dann das lange Warten – entweder auf einen gnädigen Beamten bei der Zollbehörde oder im Büro des Spediteurs. Am Hafen dann ein kurzer Knall und die Plombe am Container ist ab. Die Freude ist riesig, als Beat die Batterie anschliesst und der Motor zuverlässig brummt. Das Auto wird übrigens nicht durchsucht, der Zöllner will lediglich die Chassis-Nummer abgleichen…grrrr! Nach einer weiteren Warte-Stunde im Büro des Spediteurs dürfen wir kurz nach 14:00 Uhr endlich losfahren. Erstes Ziel ist Worchester, da es dort einen in Reiseberichten über alles gerühmten Gashändler gibt. Bis wir endlich dort ankommen, ist es aber fast dunkel. Da wir noch keineswegs camping-bereit sind, verbringen wir die erste Nacht im B&B „The Habit“ – sehr freundlich und hilfsbereit.

Bei „Gas & Sports“ dann ein sachverständiger Blick auf unsere blauen Butangasflaschen, da wissen wir bereits, dass diese wohl nirgends gefüllt werden würden. Diesmal fackeln wir nicht lange und stellen das Gas-System von amerikanisch auf afrikanisch um. Hier geht das weitaus unkomplizierter, als in den USA! Ein Angestellter nimmt die Montage gleich selber vor – jetzt haben wir schon mal Gas! Überall gibt’s hier diese riesigen Super-Spar – einkaufen wie im Schlaraffenland! Mit gefülltem Kühlschrank fahren wir nach Onrus kurz vor Hermanus. Jetzt noch die Brauch- und Trinkwassertanks auffüllen – endlich sind wir wieder eingerichtet.

Das Wetter ist erst mal wunderbar mild und der Caravan Park in Onrus liegt direkt am Meer. Enorm starke Windböen – hört sich an wie ein heranbrausender Zug – rauben uns den Schlaf. Wie erwartet folgt dann ein Regentag – und wie! Abmarsch ins Dorf, vielleicht finden wir ja irgendwo Internet? Hier muss man schon Restaurants aufsuchen, um z.B. Mails zu checken. Die Verbindung ist allerdings quälend langsam, – das hängt hier tatsächlich mit der Wetterlage zusammen – und die Reservation für den Kgalagadi National Park will nicht klappen.

Auch in der folgenden Nacht rütteln immer wieder Sturmböen am Auto, bis wir nahezu seekrank sind. Wenigstens hat es sich nun ausgeregnet, und wir fahren nach Hermanus, wo sich zwischen Juni und Oktober „Südliche Glattwale“ aufhalten. Auf dem super angelegten Cliff Path können wir stundenlang am Meer entlang wandern. Die Wale haben leider offensichtlich Verspätung – oder die Japaner zu viel Sushi gegessen:(

Kap Agulhas wird die südlichste Spitze des afrikanischen Kontinents genannt, wo – so sagt man – der Atlantik auf den Indischen Ozean trifft. Vom Campingplatz mitten im Ort ist das Kap in 30 Gehminuten erreichbar – bei Gegenwind dauert es allerdings etwas länger:) Ein paar Fotos und eine Nacht hier genügen an diesem windumtosten Ort!

Südafrika hat sich nicht für die Fussball-WM qualifiziert – dieser Anlass interessiert hier demnach keinen – es läuft eh gerade Rugby-Meisterschaft. Was hat die Schweiz wohl gegen Ecuador gemacht? Wir müssen unsere Neugier noch etwas zügeln.

Über gute Gravel Roads erreichen wir am 16. Juni das kleine Naturreservat „De Hoop“. Der Campingplatz mit den sanitären Einrichtungen ist wahrlich vom feinsten, hier bleiben wir zwei Nächte! In diesem Park werden die sehr selten gewordenen Buntböcke mit ihren wunderschönen Fellzeichnungen gezüchtet. Daneben gibt es eine Herde Elen-Antilopen, Strausse und hunderte andere verschiedene Vogelarten – darunter auch den sehr seltenen Kapgeier. Auf einer Rumpelpiste erreichen wir das Meer und erblicken tatsächlich eine grosse Herde Wale. Weit draussen zwar, aber sie sind da! Ach ja: Auch anwesend sind lästige Paviane. Dumme Touristen haben sie mal gefüttert oder den Abfall liegen lassen, und jetzt sind sie aufdringlich bis gefährlich.

Anderntags ein makellos blauer Himmel, die weissen Sanddünen leuchten förmlich im Sonnenschein und das gestern noch schieferfarbene Meer zeigt sich azurblau. Zu unserer Freude sind die Wale heute richtiggehend übermütig, wie sie Wasserfontänen spritzen, auf- und abtauchen und ihre Fluken zeigen. Wir können uns kaum satt sehen! Das ist das Afrika, welches wir sosehr lieben!


Auf einer Wanderung lernen wir Barbara und Thomas aus Triengen (!) kennen – endlich wissen wir, dass die Schweiz Ecuador mit 2:1 geschlagen hat – läck, mier send de guet!

Über gute Schotterpisten fahren wir weiter ostwärts entlang riesiger Farmgelände. Blühende Rapsfelder soweit das Auge reicht, Vieh- und Schafherden sowie Straussenfarmen und in der Ferne schroffe Gebirge. Den Fluss Breede überquert man beim Ort Malgas auf einer handbetriebenen Fähre. Das Ding wird an einem Kabel mit wahrlicher Muskelkraft von vier Männern rüber gezogen – für umgerechnet Fr. 3.80! Am Nachmittag erreichen wir über die gut ausgebaute N2 den Touristenort Mossel Bay. Da hier in der Umgebung lediglich ein Campingplatz offen ist, haben wir erstmals auch mal ein paar Nachbarn. Der Platz ist für rund 500 Fahrzeuge eingerichtet und es sind gerade mal 20 weitere Camper da. Auch hier sind die sanitären Anlagen geradezu sensationell.

Endlich mal etwas Zeit, um am Reisebericht zu arbeiten. Beat hat sich stark erkältet und ruht geniesst draussen die letzten Sonnenstrahlen….bis sich innerhalb von wenigen Minuten der Himmel verdunkelt und wieder mal Regen einsetzt. Winter am Kap!

Donnerstag, 19.6.: Heute unternehmen wir nichts weiter, als an der Homepage zu arbeiten und einen Internetzugang aufzutreiben, was im Internetcafe auch klappt.

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Das war’s erst mal!

Fast 20 Monate durften wir das herrliche, unbeschwerte Reiseleben geniessen. Mit viel Geduld und Humor haben wir auch unschöne Vorkommnisse bewältigt:
• Scharfkantige Ösen haben das Kunststoffseil der Bett-Befestigung durchgescheuert. Zweimal ist uns das Bett deswegen beinahe auf den Kopf gefallen – aber eben nur beinahe!
• In ganz Südamerika sind keine 12 Volt-Lampen erhältlich. Da war Improvisation gefragt!
• Noch mehr Improvisationstalent mussten wir beim „Umfunktionieren“ des Gassystems beweisen – hat aber super geklappt.
• Der Ölverlust wegen einer defekten Vakuum-Pumpe bescherte uns eine Wartezeit von zwei Wochen auf das Ersatzteil aus Buenos Aires – allerdings an der wunderschönen Walfisch-Bucht in Puerto Madryn.
• Die Gasdruckdämpfer des Hubdaches waren beide defekt, und da das metrische System in den USA wohl nie wirklich Einzug hält, kriegten wir auch nirgends neue. Warten auf die Ersatzteile aus der Schweiz…in Moab (Utah) und umringt von Nationalparks!
• Dass Bremsbeläge nach über 50‘000km ihre Funktion nicht mehr erfüllen, versteht sich von selbst. Zukünftig sind die Dinger Bestandteil unseres Ersatzteillagers.
• Grippe mit Fieber wegen nasskaltem Wetter in Ushuaia – im Camper zwar eine ziemlich missliche Situation, war aber nach drei Tagen schon Geschichte.
• Eine ziemlich hartnäckige Harnweginfektion konnte mit Antibiotika niedergekämpft werden, was sich innerhalb von sieben Tagen dann erledigt hat.
• Eine Zahnfüllung wurde Opfer eines Buffalo-Burgers. Auch kanadische Zahnärzte leisten hervorragende Arbeit – zu einem Drittel der Schweizerpreise!

Kaum eine Delle am Wagen und kein einziger Unfall, nie wurden wir bedroht oder ausgeraubt, nichts ging verloren oder vergessen! Dafür und dass wir gesund und munter wieder zurückkehren durften, sind wir wirklich extrem dankbar! Hoffentlich haben wir noch ein paar Schutzengel vorrätig für die nächsten Trips!

So viele Reise-Kilometer sind wir gefahren
Schweiz und Deutschland 3‘168
Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien 31‘147
USA und Kanada 31‘179
Total 65‘494

Für Diesel haben wir rund Fr. 8‘400.00 ausgegeben, der durchschnittliche Treibstoffverbrauch lag bei 11.49 lt pro 100km.

Wir sind unbeschreiblich gerne nach Hause zu Familien und Freunden zurückgekehrt. Da Beat im Dezember erstmals Opi geworden ist, fehlte es beileibe nicht an Motivation.
Angela und Martina Meier unterstützten uns unglaublich beharrlich und fleissig dabei, eine passende Wohnung zu finden – Tausend Dank! Bei lieben Freunden durften wir das Gästezimmer belagern, ehe wir dann Ende Dezember 2013 die neue Bleibe in Luzern beziehen konnten – Tausend Dank! Fast gleichzeitig wurde mir eine befristete Anstellung beim alten Arbeitgeber angeboten. Alles fügte sich sehr schnell zusammen. Wir hatten kaum Gelegenheit zum Überlegen, ob es uns eigentlich gut geht!

Nun – nach rund vier Monaten in Good old Lucerne – steht die nächste Reise bereits vor der Tür! Bald gibt’s wieder News auf unserer Homepage!

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Toronto / Mexiko / Halifax 12. Oktober bis 6. Dezember 2013

In erster Linie geniessen wir bei Heiry und Milly zuhause angenehmes Nichtstun. Wir schätzen die angenehme, familiäre Atmosphäre mit eigenem Schlafzimmer und Toilette ungemein – aber so ganz tatenlos sind wir denn trotzdem nicht. Gleich nach der Ankunft am 12.10. muss erst mal das Auto ausgeräumt, gründlich geputzt sowie für den Schiffstransport vorbereitet werden. Endlich – nach über 18 Monaten – können wir den unzähligen Insektenleichen, die aber auch wirklich überall zu finden sind, mit einem Staubsauger zu Leibe rücken. Alles wird diebstahlsicher von der Fahrer- in die kleine Wohnkabine umgeschichtet, denn nur dort ist unser Hab und Gut versichert.

Die Hinterreifen eignen sich bestenfalls noch zum Schlitteln und müssen dringend ersetzt werden. Immerhin finden wir Reifen unserer bevorzugten Marke (BF Goodrich), der Preis haut uns allerdings fast aus den Socken. Diesbezüglich ist die Schweiz ausnahmsweise definitiv günstiger!

In Heirys Garten müssen drei Bäume gefällt, gejätet, Rosen geschnitten und Herbstlaub entfernt werden. Beat zersägt die gefällten Bäume zu Brennholz, welches anschliessend gestapelt wird. Aber also ganz ehrlich: Das war’s dann auch schon in Sachen Arbeit. Man soll ja nicht gleich übertreiben:)) Daneben beschäftigt uns vor allen Dingen das oft verzweifelte Durchstöbern aller Inserate nach einer neuen Wohnung. Unsere „guten Geister“ Angela und Martina legen sich unglaublich ins Zeug, werden von uns mit Vorschlägen überhäuft und schauen sich viele Objekte an. Das Ganze gestaltet sich wider Erwarten als ziemlich schwierig, denn die Vermieter möchten natürlich potentielle Mieter persönlich kennenlernen. Mehr als eine Wunsch-Wohnung geht uns wegen unserer Nicht-Anwesenheit durch die Lappen.

Die ersten paar Tage sind geprägt von herrlichem Herbstwetter, auch wenn – wegen der ausbleibenden Nachtfroste – vom Indian Summer hier in Toronto nur wenig zu sehen ist. Schnell mal wird es kühler und bald auch richtig kalt. Regen und Schnee wechseln sich ab. Nix ist mit weisser Märchenlandschaft.

Wir machen mit Heiry Abstecher nach Orillia zu Irene und Walter Egli (hierhin fährt Heiry nur in schneefreier Zeit) und ins Indianerreservat nach Port Perry (zwecks Einkauf günstiger Zigaretten).

Höchste Zeit, wieder wärmere Gefilde aufzusuchen! Heiry ist Mitinhaber einer Penthouse Wohnung in Cancún, Mexico – und dahin will er uns schon seit geraumer Zeit für eine Woche entführen. Wogegen wir uns erst gesträubt hatten, nehmen wir nun dankbar an! Wir verbringen eine herrliche Woche: Über 30C°, riesiges Jacuzzi auf dem Balkon im 8. Stock (welches Heiry täglich für uns vorbereitet), Strand vor der Haustür, kaum Touristen in der Vorsaison, drei Pools zur Auswahl, jede Menge wunderbares mexikanisches Essen und täglich eine Tequilla-Degustation.

Etwas vom Schönsten für uns war die Freilassung eines ganzen Geleges von Lederschildkröten, der wir beiwohnen durften.

Nach nur vier Flugstunden werden wir am 3. November auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Toronto verzeichnet Minusgrade und eiskalten Wind.

Freitags gibt’s zum Lunch immer Dim Sum mit Freunden von Heiry und Milly. Zwanzig Personen an zwei riesigen Tischen, interessante Gespräche und gutes Chinese-Food. Es werden verschiedene Leckereien bestellt und Ziel ist es, pro Person nicht mehr als $ 6.00 zu bezahlen!

Immer am Freitagnachmittag wird das Haus am Hurlingham Crescent dann zur lärmigen Mahjong-Spielhölle. Es geht um Geld, und das veranlasst die vier Spieler/innen immer wieder zu lauten Aufschreien. Das Wort „Shit“ ist jedenfalls das meist verwendete!

Nebenbei will Milly auch das Jassen wieder erlernen. Da Heiry dieses Spiel verweigert, bleibt ihr nur, online gegen Computer zu spielen. Die sehr miese Programmierung löst dermassen schlimmste Fehler aus, dass selbst Milly das innert kürzester Zeit erkennt. Also wenn selbst Milly ihren Computer-Partner lautstark „Tubel“ nennt, das will was heissen!

Ab November verlassen wir jeweils samstags um 10:00 zusammen mit Heiry das Haus, um in seinen ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten alles für die Guuggenmusig-Probe der Canadysli vorzubereiten. Immerhin dreimal dürfen wir an der Probe teilnehmen. Beat kann auf einer Posaune ordentlich mitmischen, während ich mich nach langer Zeit wieder mal mit Tschinellen und Pauke rumschlage. Ein einziges Mal kann ich mir eine Klarinette ausleihen. Diese ist jedoch in etwas ramponiertem Zustand, und ausser Frust kommt kaum was dabei raus.

Verschiffungen sind so eine Sache… Bloss einen Tag vor Abfahrt nach Halifax kriegen wir die Meldung der Reederei, dass der Frachter eine Woche Verspätung hat. Ein zweifelhaftes Vergnügen, stundenlang Flüge und Hotels umzubuchen!

So strapazieren wir die Gastfreundschaft von Heiry und Milly also eine Woche länger – was Heiry aber diebisch freut! Am 15. November fahren wir dann los gegen Osten auf dem Transcanada Highway, wo uns weitere zwei Stunden Zeitumstellung erwarten. Da wir nicht mehr in die USA einreisen dürfen, müssen wir einen „kleinen“ Umweg machen und die gesamte Strecke von 1‘920km in Kanada zurücklegen. Sämtliche Campgrounds sind seit 1.11. geschlossen, es bleiben uns nur Motels oder B&B’s. Wir lassen uns nicht stressen und übernachten erst in den Ortschaften Cornwall und Lévis (Québec). Bis hierher ist die Landschaft topfeben und ziemlich eintönig. Québec ist der franko-kanadische Teil des Landes – heisst: Jegliche englische Beschriftungen fehlen und wir werden mit unverständlichem Gebrabbel konfrontiert. OK, damit stand ich ja schon immer auf Kriegsfuss, dachte aber, es sei nicht alles verloren. Aber DAS soll nun französisch sein???

Weiter geht’s entlang des St Lawrence Stromes nach Grand Falls (New Brunswick). Entlang der Strecke liegen überall noch Schneehäufchen und sämtliche kleinen Wasserläufe oder Seen sind bereits gefroren. Auf der Weiterfahrt nach Moncton (New Brunswick) begleiten und starke Windböen und immer wieder Regengüsse. Die eigentlich wunderschöne Landschaft versteckt sich hinter Gischt und Nebel. Am nächsten Tag zeigt sich wieder ein makellos blauer Himmel und wir erreichen Nova Scotia, die letzte Provinz auf unserem Weg. Schon bald verlassen wir den Transcanada Highway und fahren direkt südwärts nach Halifax. 70km vor der Stadt passiert man übrigens die Mittellinie zwischen Äquator und Nordpol. In Halifax suchen wir sogleich die Spedition auf und erhalten nach Bezahlung von CA$150.00 die Buchungsbestätigung. Das wär dann schon mal erledigt.

Am 20. November erreichen wir morgens (nach kurzer Irrfahrt) das richtige Gebäude auf dem Hafengelände. Es ist bissig kalt und niemand hält sich hier lange draussen auf. Umso schneller geht die ganze Abfertigung vor sich. Wir erwischen gerade die Pausenzeit, ansonsten wäre die ganze Abwicklung in 20 Minuten vorüber. Wenn wir da an Cartagena zurück denken…

Die Hafenarbeiter organisieren uns ein Taxi zum Flughafen, denn dort Zeit totschlagen stellt für uns kein Problem dar, es gibt immer was zu sehen. Bereits am frühen Abend kann uns Heiry vom Airport Toronto abholen – da sind wir also wieder.

Downtown Toronto lockt uns nur selten (bekanntlich mögen wir ja schöne Landschaften und Tierbeobachtungen lieber, als Städte): Eine Shopping Tour im Eaton Center, Lunch mit Milly und Heiry im Drehrestaurant des CN Towers, ein Besuch des nagelneuen Aquariums, zwei Stamm-Abende der Canadysli im Restaurant Musket (tolle Küche!) und dann noch die Party für Immigranten aus Südafrika in Mississauga. Ansonsten verbringen wir viel Zeit daheim und pflegen oft unser liebstes Hobby: Das Kochen. Heiry hat in seiner Garage eigens für uns (drei) eine Bar inkl. Öfeli eingerichtet, wo wir ungestört rauchen und zusammen seine alten Whiskys und weitere Köstlichkeiten vernichten.

Drei Tage vor unserer Rückreise nach Europa gibt’s good news: Eine unserer ausgesuchten Wohnung haben wir auf sicher! Unsere absolute Traum-Wohnung wird allerdings – nachdem diese lange Zeit inseriert war – anderweitig vergeben… Aber wir sind sehr glücklich, dass es endlich geklappt hat!

Eine weitere herrliche und unbeschwerte Zeit, welche mit unserem Flug über Island und Kopenhagen nach Hamburg am 6. Dezember leider zu Ende ist! Heiry und Milly: Vielen Dank für alles!

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22. September bis 12. Oktober 2013 Von Cody (Wyoming) bis Toronto (Ontario, Kanada)

Nichts kommt an Yellowstone ran! In Cody, der Hochburg des Buffalo Bill-Kults, schalten wir erst mal einen Pausen- und Verarbeitungstag ein. Am zweiten Tag lockt dann doch das riesige Buffalo Bill Historical Center, welches einerseits natürlich für Buffalo Bill-Verehrer ein Mekka ist, andererseits aber auch viele weitere Exponate zeigt.

Buffalo Bill – William Cody – war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Bereits in jungen Jahren arbeitete er als Zugführer, Pony-Express Reiter, Kutscher und später als Scout für die Union. Weniger ruhmreich ist, dass er auch an Feldzügen gegen Indianer und an unsinnigen, „erfolgreichen“ Büffeljagden beteiligt war. Wegen Letzterem eben Buffalo Bill. 1872 schloss er sich einer Theatergruppe an und gründete später seine eigene Buffalo Bill’s Wild West Show mit einem riesigen Tross von Mitwirkenden und Tieren, die ganz dem unrealistischen Stil der Veröffentlichungen amerikanischer Journalisten entsprach. Er feierte auch in Europa grosse Erfolge, erst das Kino-Zeitalter setzte seiner Laufbahn ein Ende.

In erster Linie begeistert uns die Indianer-Abteilung, welche eindrücklich Leben und Untergang der amerikanischen Ureinwohner darstellt. Die Sektion „Wildlife in the Plains“ ist ebenfalls interessant…und dann ist da noch die Ausstellung der über 24‘000 Feuerbüchsen aus der Zeit der ersten Siedler bis heute – allerdings nur für waffenverliebte von Interesse. Gezeigt werden auch ein paar Pistolen, welche in alten Wildwest-Filmen wie z.B. Bonanza Verwendung fanden.

Genug der Pause, weiter durch Wyoming nach Osten! Herrlich, diese Weitsicht über die Prärie. Die Strecke ist einsam, nur unterbrochen durch wenige Ansiedlungen mit 50 bis 5‘000 Einwohnern und den unvermeidlichen McDonalds- und Subway-Reklamen. Einzelne Ölpumpen, Viehweiden und Zuckerrüben-Anbau prägen die Landschaft. Nochmals hoch über den Powder River Pass auf 3‘000m und den Blick auf den 4‘000m hohen Bighorn Peak geniessen, ehe wir bald darauf am Tagesziel Buffalo ankommen.

In Gillette gibt’s endlich wieder richtiges Brot zu kaufen (Albertsons). Ganz zu schweigen von der enormen Weinauswahl – genau unsere Kragenweite! Nach weiteren Kilometern durch die Prärie erreichen wir bald die Region der Black Hills – tatsächlich irgendwie Schwarzwald. Der Devils Tower in Nordteil ist für Indianer noch heute ein mythischer Ort, während ihn Steven Spielberg in seinem Film „Begegnung der dritten Art“ schlicht zum UFO-Landeplatz umfunktioniert hat (wofür er definitiv zu klein wäre). Für eine kurze Wanderung rund um das National Monument reicht‘s, ehe Regen einsetzt. Abends klopft ein Deputy Sheriff an unsere Tür – was ist das denn? Aber er will bloss das Auto beaugapfeln und verabschiedet sich fröhlich nach endlosem Small Talk – bei strömendem Regen!

Weiter in den Bundesstaat South Dakota. Beim AAA in Spearfish decken wir uns mit Kartenmaterial ein und fahren anschliessend durch die Ski-Orte Deadwood und Lead mitten durch die Black Hills zum Mount Rushmore. Bei diesem herrlichen Wetter gibt’s gute Fotos…aber man muss wohl schon Ami sein, um hier sowas wie Ehrfurcht zu empfinden.

Das Mount Rushmore National Memorial besteht aus vier 18 Meter hohen Porträitköpfen der (aus damaliger Sicht) bedeutendsten und symbolträchtigsten US-Präsidenten: George Washington (1. US-Präsident), Thomas Jefferson (3.), Theodore Roosevelt (26.) und Abraham Lincoln (16.). Das Monument wurde durch John Gutzon Borglum – unterstützt von 400 Arbeitern – während 14 Sommern zwischen 1927 und 1941 in den Granit des Mount Rushmore gesprengt, gehauen und gemeisselt. Das Nationaldenkmal wird auch als Shrine of Democracy bezeichnet, die Lakota-Indianer betrachten das Monument hingegen als Entweihung ihres heiligen Berges.

Anderntags giesst es aus Kübeln – wir gehen unter die Erde! Im Süden liegt ein weiterer National Park: Wind Cave – mit 202 km erforschten Wegen eine der längsten Höhlen der Welt. Sie ist bekannt für die „Boxwork“ genannten Kalzium-Formationen, die sich wie Bienenwaben an den Wänden ausbreiten. Aber auch Kristalle und weitere sehr fragile Muster sind im Kunstlicht zu entdecken. Den Namen verdankt die Höhe den oft extrem starken Winden, die – je nach Druck – ein- oder ausströmen. An der Oberfläche ist eine der letzten Prärien erhalten geblieben, die eine natürliche Heimat für Bison, Wapiti-Hirsch, Gabelbock und Präriehund ist. Auch die fast ausgestorbenen Schwarzfussiltisse wurden und werden hier erfolgreich ausgewildert. Bei Schneeregen ist aber leider kaum etwas auszumachen.

Wir hauen ab in die Badlands, welche wir nach einem kurzen Zwischenstop in Wall mit seinem kuriosen Drug Mart erreichen (Minus eine Zahnfüllung…)! Seit vielen Wochen befinden wir uns nun erstmals wieder unter 1‘000müM. Die Temperatur ist bedeutend angenehmer, trotz des stetig brausenden Präriewindes. Der Badlands-Nationalpark besteht aus einem Typ von Verwitterungslandschaft, die für Landwirtschaft denkbar ungeeignet schien, daher der Name „schlechtes Land“. Wie Ruinen ragen Sandsteinformationen, Türmchen und Spitzen mitten aus der ansonsten flachen Prärie. Zwei Tage lang fahren wir hier herum und wandern was das Zeug hält. Es gibt Präriehunde, Bisons, Wildschafe und Fossilien – genau unser Ding!

Zeit, weiterzureisen! Kurz nach den Badlands wieder mal +1 Stunde Zeitumstellung, Central Time – das einzige Ereignis auf dieser Strecke! South Dakota ist weites Land, flach und dünn besiedelt. Selbst die ansonsten allgegenwärtigen Reklameschilder fehlen, es gibt kaum noch Attraktionen. Einzig die Überquerung des breiten Missouri River lohnt einen Halt. Es ist ungewöhnlich warm und entsprechend verschwitzt erreichen wir abends Siuox Falls, die grösste Stadt South Dakotas.

Nach zwei Nächten geht’s dann weiter ostwärts. Erst kurz tanken, wie immer: Grüne Zapfhähnen stehen in den USA für Diesel. Nichts Aufsehenerregendes in Minnesota: Kornfelder und Windräder soweit das Auge reicht. Nach exakt 134km nehmen wir die Ausfahrt zu einer Rest Area mit dem wunderschönen Namen „Clear Lake“. Der Motor geht aus, Beat kann den Wagen mit knapper Not noch passgenau auf einen Parkplatz rollen lassen. Nichts geht mehr…der Motor lässt sich nicht mehr starten. Typisch USA: Sofort wollen alle helfen. Dank der Unterstützung von Lastwagenfahrern und einem sehr netten Herrn steht unser Chateau 30 Minuten später auf einem Abschleppwagen – ein deprimierender Anblick. Wir erahnen ganz langsam die Ursache des Übels…Ein Blick auf die Tankstellenquittung von heute genügt: Wir haben Benzin eingefüllt! Gemäss Abschleppdienst passiert das hier öfter, da man an BP-Tankstellen Benzin mit grünen Zapfhähnen tankt! Eine Werkstatt im bloss 7km entfernten Jackson entleert und reinigt den Tank – wir sind ganz offensichtlich nicht die Ersten. Insgesamt viel Glück im Unglück: Immerhin standen wir auf einer Rest Area, hilfreiche Menschen und eine Garage, die sich sofort ans Werk machte. Nach rund vier Stunden und um $400 erleichtert ist der Schaden behoben. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den KOA Campground in der kleinen Ansiedlung Hayward in Wisconsin.

Nachts wütet ein starkes Gewitter über dem Gebiet, zwar nur wenig Regen, dafür aber hunderte von Blitzen. Erst morgens schüttet es dann aus Kübeln. Klitschnass vom Aufräumen machen wir uns an die Weiterfahrt. Es klart bald auf und wir geniessen die täglich farbenprächtiger werdende Herbstlandschaft. Letztmals überqueren wir den mächtigen Mississippi River – dann folgt die Millionenstadt Chicago, Illinois.

Wir haben uns für das Hilton am O’Hare Airport entschieden, denn es gibt 1. kaum günstige Hotels in Chicago, 2. sind die Parkplätze für ein Auto mit einer Höhe von 2.60m extrem dünn gesät und 3. haben wir von hier eine direkte Zugverbindung nach Downtown. Den 5. Oktober – unseren Hochzeitstag – verbringen wir mit einer Double Decker Tour und dem Besuch des Navy Piers. Es gibt unheimlich viel zu sehen, und das bei fast 30C°. Allerdings ist die Stadt – bedingt durch die überirdische Streckenführung der Bahn auf Eisenträgern nur wenige Meter über den Strassen – extrem laut. Ein Wolkenbruch macht abends jedes weitere Vorhaben zunichte. Im Andiamo-Restaurant des Hilton nehmen wir uns heute mal die Speisekarte vor, ohne erst die Preise zu studieren!

Der zweite Tag startet wesentlich kühler. Nochmals mit dem Zug 40 Minuten nach Chicago Downtown. Vom höchsten Gebäude der Stadt, dem Willis Tower, hat man eine wunderbare Rundumsicht auf die City – und umliegende Bundesstaaten. Es ist Sonntag, und erstaunlicherweise haben hier selbst die Schnellimbissbuden geschlossen. Unsere Suche nach einer Apéro-Bar endet erfolglos. Wie in Miami: Sonntags ist tote Hose angesagt! Selbstverständlich holen wir im Hilton alles nach, denn wir haben ja entsprechende Vorräte im Auto.

Am 7. Oktober geht’s dann weiter. Nach über einer Stunde Fahrt um die Aussenbezirke der Stadt gibt es noch immer Ausfahrten nach Chicago! Aber endlich ist es geschafft, weiter gen Osten. Kurze Zeit später wieder +1 Stunde Zeitumstellung. Jetzt beträgt die Differenz zur Schweiz bloss noch 6 Stunden! Auf der Interstate 80/90 – einer Maut-Strecke – donnern unsäglich viele Lastwagen in mörderischem Tempo. Das wird ganz schön stressig, auch bei vier Spuren! 260km später Ankunft im Amish-Country Middlebury, Indiana. Einkauf im Farmer Store: Hier gibt es nebst üblichen Parkplätzen genauso viele Stationen für die 1PS-Kutschen der Amish People. Sowohl ungewöhnlich wie auch faszinierend!

Auf der Weiterfahrt meiden wir den Toll-Highway und geniessen bei wolkenlosem Himmel die herrliche Herbstlandschaft in den Rottönen des Indian Summers. Beim AAA in Toledo decken wir uns mit dem restlichen Kartenmaterial ein und erreichen wenig später in Stony Ridge (Ohio) den Campground unserer Wahl.

Den einzigartigen Indian Summer im Nordosten des Kontinents verdanken wir den hier von Norden nach Süden verlaufenden Gebirgszügen. Die ungehindert einströmende Polarluft lässt die Nächte frostig werden, während die Tage klar und oft noch immer sehr warm sind. Die Pflanzen haben „Frühlingsgefühle“, dadurch zeigen sich die Blätter vieler Laubbäume erst in leuchtenden Rottönen, ehe sie verdorren und abfallen. Ein derartiges Farbspektrum ist in Europa nicht zu finden. (ähm…sehr einfach erklärt!)

Die vielen Kilometer entlang des Lake Erie durch Ohio – bei diesem phantastischen Herbstwetter rundum ein Genuss. Den halben Nachmittag relaxen wir dann auf dem wunderschönen KOA Campground in McKean im „Independence State“ Pennsylvania.

Im „Empire State“ New York riecht es förmlich nach Geld. Die unzähligen, direkt am Ufer liegenden Privatgrundstücke lassen keine Sicht auf den See zu. Dafür zieren tausende km2 Weinanbaugebiet die gesamte Strecke. An den Rebstöcken hängen bloss noch Eiswein-Trauben, während die Rebenblätter tiefrot zu leuchten beginnen. Wieder campieren wir auf einem KOA-Platz, denn auf diesen trifft man ausnahmslos tadellose sanitäre Einrichtungen sowie freien Internetzugang an. Wie ein kleiner Park mit Teichen und Bäumen wirkt der Campground auf Grand Island.

Nachdem wir am 11. Oktober erst die amerikanische Seite der Niagara Falls besuchen, verlassen wir anschliessend die USA. Dank des separaten Ausreiseschalters für Wohnmobile erreichen wir denn auch problemlos und zackig Kanada.

Bei unseren vergangenen Besuchen der Fälle war es bitterkalt, Schnee und Eis überall. Diesmal wolkenlos und herrlich warm. Sehr viel mehr Wasser als im Winter rauscht hier in die Tiefe. Die aufsteigende Gischt verhüllt Wolkenkratzer und lässt alles in weitem Umkreis triefend nass werden. Im Ort Niagara Falls verbringen wir unsere allerletzte Campingnacht.

Ehe wir endgültig die Strecke nach Toronto unter die Räder nehmen, erstehen wir bei der Winery „Inniskillin“ in Niagara on the Lake ein paar Grauburgunder und Merlot Cabernet (hier sieht’s aus wie im Piemont, einfach ohne Hügel). Dann noch 140 km durch dicht besiedeltes Gebiet auf stressigen Highways entlang des Lake Ontatio bis Toronto. Mit eigens montierten Kanada-Fähnchen und einem Blinklicht fahren wir am frühen Nachmittag vor Henrys und Millys Haus am Hurlingham Crescent. Freudige Begrüssung – endlich da! Hier werden wir einige Zeit verbringen, den Indian Summer geniessen und wohl auch den beginnenden Winter erleben. Allerdings mit den Vorzügen von festen Wänden, Türen und behaglich beheizten Räumen.

Die grosse Amerika-Reise ist tatsächlich schon Geschichte! Jetzt freuen wir uns auf daheim, unsere Familien und Freunde. Im Dezember werden wir wieder Heimatluft schnuppern…und selbstverständlich neue Pläne schmieden!

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