14. bis 31. Mai 2013 Von Miami (Florida) bis Bernalillo (New Mexico)

Am Flughafen Zürich bei der zweiten Passkontrolle für USA-Reisende wird Beat lediglich nach der geplanten Aufenthaltsdauer in den USA gefragt. Bei mir wollen sie’s genauer wissen und verlangen prompt nach einem Rückflugticket. Gottlob haben wir den allseitigen Rat befolgt und können eben dieses vorweisen. Uff…. In Miami fragt der Officer – etwas verwirrt ob unserem ersten Einreisestempel vom 11. April – dann etwas genauer. Nachdem Beat aber als Beruf „pensioniert“ angibt, hat sich alles erledigt. Jipiiii – wir kriegen erneut 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung! Das Chateau steht immer noch wie eine Eins auf dem Hotelparkplatz. Wegen einbrechender Dunkelheit müssen wir den enthusiastischen Versuch, alles startklar zu machen, natürlich erst mal aufgeben. Aber am nächsten Morgen hält uns hier nichts mehr: Miami haben wir nun endgültig gesehen.

Zielstrebig schnell einkaufen und über den Dolphin Expressway 836 nach Westen. Auf dem Highway 41 durchqueren wir heute die Everglades bis an die Westküste von Florida zu unserem ersten Campground im Collier Seminole State Park. Links und rechts der Strasse liegen unzählige Alligatoren träge im Wasser und ständig begleiten Formationen von Fischreihern und Pelikanen unsere Fahrt. Es ist wie im Paradies und wir wollen das noch ein paar Stunden geniessen.

Ab hier geht’s erst mal nordwärts. In der Umgebung von Fort Myers lassen wir den Dieselfilter auswechseln – und schon ist wieder viel Zeit vergangen. Auch heute kommen wir nicht besonders weit und campieren im idyllischen Oscar Scherer State Park in Laurel. Auf dem Weg jede Menge Gürteltiere, Schlangen, Marder und kleine Wildkatzen tot am Strassenrand. Es ist zum Heulen.

Für den nächsten Tag haben wir uns einen RV Park ausgesucht. Doch hier sind wir nicht erwünscht, da unser Chateau nicht ein „manufactured RV“ ist – so eine blöde Schnalle! Im Crystal River Isles RV Resort finden wir dann ein Plätzchen. Die extrem freundlichen und interessierten Nachbarn bewundern unseren Wagen gebührend und wir haben Spass, etwas über die vergangene und zukünftige Reise zu erzählen. Leider bestätigen die Americans immer wieder ihren Hang zur Oberflächlichkeit: Was ausserhalb der USA geschieht, ist ihnen völlig suspekt … und interessiert auch nicht wirklich. Die Antwort „oh lovely!“ deuten wir inzwischen als „keine Ahnung“! Aber nett sind sie fast alle, das ist unbestritten!

Es ist inzwischen Samstag – und unser ausgewählter State Park besetzt. Weekend-Warnung für die Zukunft! Im kleinen Ort Bonifay gibt es den Florida Spring RV Resort. Auch hier werden wir ausserordentlich freundlich begrüsst und gönnen uns mal wieder richtige Restaurant-Kost – nix Fast Food! Hier ist immer noch Seafood-Gebiet, es ist köstlich!

Am 19. Mai verlassen wir Florida und durchqueren Alabama sowie eine Zeitzone (ab jetzt -7 Std.). Das Land ist völlig flach und grün, und es gibt fast ebenso viele Kirchen von Methodisten, Baptisten, Adventisten usw. wie Wohnhäuser. Unterwegs hat unser Defender einen Schwächeanfall, er lässt sich nicht mehr beschleunigen. Den Luftfilter haben wir selber ausgewechselt, es liegt wohl an einem verschmutzten Kontakt. Nach dem zweiten Stopp und einer Reinigung mit dem Nastüechli ist erst mal alles wieder i.O. Beim nächsten Service werden wir das genauer unter die Lupe nehmen lassen.
Heutiger Übernachtungsplatz ist im Shepard State Park im Staat Mississippi – es ist heiss und feucht. Ein Campground mitten im Wald mit Millionen von stechenden Biestern.

20. Mai: 66 Jahre Beat! Irgendwie mögen wir heute noch nicht nach New Orleans reinfahren und feiern ganz bescheiden zusammen mit Waschbären, Eichhörnchen und Rehen nördlich des Lake Pontchartrain im Fontainebleu State Park. Silke und Harry aus der Pfalz, mit denen wir einen unterhaltsamen Abend verbracht haben, sind die ersten Gratulanten.

38 km lang ist der Causeway über den Lake Pontchartrain…und dann: NEW ORLEANS, welch eine Hammer-Stadt!
Der French Quarter RV Resort liegt nur 15 Gehminuten vom berühmten Stadtteil gleichen Namens entfernt und wir machen uns unverzüglich auf den Weg.
Ganz in der Nähe liegt der berühmte Friedhof No 1 und weiter zum Louis Armstrong-Park. Er ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt, ihm ist dieser originell gestaltete Platz gewidmet. Dann all die berühmten Streets wie Jackson, St. Ann und Bourbon mit den einzigartigen, mit Schmiedeeisen verzierten Balkonen, originelle Voodoo-Läden, das letzte Mississippi-Steamboat „Natchez“, die River Front, French Market und all die tollen Bars. Überall ist Jazz aller Stilrichtungen zu hören und wir bewegen uns tänzelnd durch die Strassen. New Orleans hält, was es verspricht!

Weiter geht’s Richtung Westen zum Sam Houston Jones State Park. Extrem idyllisch mit Rehen und Waschbären – bis uns dann abends Millionen von Eintagsfliegen das Leben vermiesen. Sie finden jede noch so kleinste Möglichkeit, um ins Auto zu dringen, so dass wir sogar die winzigen Lüftungsschlitze an den Fenstern zukleben müssen. Aber da sind schon unzählige dieser Biester drin – wenigstens stechen sie nicht! Schaufelweise befördern wir nachher tote Insekten aus der Kabine.

Am 23. Mai erreichen wir den Staat Texas – YEAH! Mächtig viel Verkehr hier und Houston bei starkem Regen kann zur ultimativen Nervenprobe werden. Für heute ist genug! Im Stephen F. Austin State Park lassen wir Ruhe und Natur pur auf uns einwirken. Die Wege in Texas sind weeeeit und langsam geht’s gegen Westen auch etwas bergauf. Im winzigen Kaff Hyre trampen wir zufällig in einen kleinen Market, der allerdings nur Alkoholikas und diverse Sorten von RICHTIG KNUSPRIGEM BROT verkauft. Das Highlight dieses Tages! Es regnet in Strömen und der Chef findet für uns ein Plätzchen in Stonewall auf dem Peach Country RV Park (es ist ja wieder mal Wochenende…). Über den sturzbachartigen Regen trösten uns das feine Brot und ein gutes WiFi hinweg.

Bis zum schmutzigen RV-Platz in Fort Stockton sind es wieder 440km. Und dann Worst Case: Unser Dach klappt immer wieder zusammen, da beide Gasdruckdämpfer defekt sind. Im Moment behelfen wir uns mit einem Brett – GROSSER ÄRGER!

Da wir das White Sands National Monument auslassen, entscheiden wir uns für den Monahans Sandhills State Park. Der Sand ist wirklich blendend weiss und es hat gottlob noch Platz. Am Montag ist nämlich Memorial Day, also ein verlängertes Wochenende – das ging uns durch die Lappen! Zwischen den Sanddünen im heissen Wüstenwind verbringen wir einen Ruhetag, nur unterbrochen von einem Spaziergang mit dem PC zum Visitor Center.

Auf der Fahrt nach Whites City in New Mexico überschreiten wir die nächste Zeitzone: -8 Std. Das Dorf besteht nur aus Läden, einem Hotel und einem RV-Park. Von hier besuchen wir erst mal den Carlsbad Caverns Nationalpark. Die Geschichte der Höhlen begann vor 250 Mio. Jahren mit der Entstehung eines 600 Kilometer langen Riffs innerhalb eines Inlandsees. Das Riff hatte die Form eines Hufeisens und entstand aus den Überresten von Schwämmen, Algen und Muschelschalen. Mit der Zeit verdunstete der See und das Riff wurde unter Salz und Gipsablagerungen begraben. Vor einigen Millionen Jahren begann sich die Gegend zu heben und Erosion begann das alte Riff freizulegen. Regenwasser, das durch Luft und Erde leicht sauer geworden war, sickerte in Spalten des alten Riffs und begann langsam den Kalkstein aufzulösen und Risse und Spalten zu vergrößern. So begann ein Prozess, der am Ende bis zu den heutigen großen Kammern geführt hat. Wir betreten die Höhle durch einen natürlichen Eingang und folgen einem gut ausgebauten und indirekt beleuchteten Weg in unzähligen Serpentinen immer weiter abwärts. Die Grösse der Kammern – bis zu 78 m hoch – und die sogenannten Verzierungen in Form von riesigen Stalaktiten, Stalagmiten und weiteren Formen lässt uns immer wieder ehrfürchtig innehalten. Volle drei Stunden laufen wir durch Gänge und Kammern. Ein einzigartiges Erlebnis!

Am nächsten Tag fahren wir von Whites City zum Guadalupe Mountains Nationalpark – dem ursprünglichen Siedlungsgebiet der Mescalero Apachen. Endlich mal wandern! Volle 4 Stunden laufen wir durch den heissen McKittrick Canyon. Die Berge bilden einen tollen Kontrast zur scheinbar öden Chihuahua-Wüste und am Ende des Canyons überrascht uns eine üppige Flora mit diversen Laubbäumen. Wieder mal zu wenig Wasser mitgenommen! Ziemlich ausgedörrt sind wir dankbar für das Trinkwasser vom Hahnen beim Eingang. Informativ und interessant ist das Main Visitor Center bei Pine Springs gestaltet – und klimatisiert… Zum Schluss besuchen wir noch die historische Frijole Ranch auf dem Gebiet des Nationalparks und lassen uns in die Zeit der Indianer und Siedler zurückversetzen. Jetzt nur noch ein kühles Bier zur Abrundung eines tollen Tages.

Und wenn wir schon mal in der Nähe sind: Auf zum International UFO-Museum in Roswell. Schon beeindruckend die vielen Fotos und Zeugenaussagen. Im TV schon oft gesehen, aber hier in Natura noch etwas wundersamer! Aber zu den „Gläubigen“ gehören wir denn nun doch nicht.

Für den abwechslungsreichen Bottomless Lakes State Park fahren wir einen kleinen Umweg – und WIE sich das gelohnt hat! Im herrlich erfrischenden See können wir Schweiss und Staub auf genüssliche Art loswerden.

Für die beiden letzten Mai-Tage finden wir – gegen Reservation (Weekend!) – einen Platz auf dem Coronado RV-Park in Bernanillo, direkt am Ufer des berühmten Rio Grande. Da gab’s doch mal einen Western…! Samstags begeben wir uns nochmals auf die erfolglose Suche nach neuen Gasdruckdämpfern. Nach so viel vergeblich aufgewendeter Zeit und gefahrenen km bestellen wir diese nun in der Schweiz. Hoffen wir, dass es klappt!

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