31. Januar bis 15. Februar 2013 Von Cusco (Peru) bis Vilcabamba (Ecuador)

Morgens erst mal Abschied nehmen von den Campingplatzgefährten (insbesondere von Christa und Manfred, die wir in Puerto Madryn kennengelernt hatten) und dem Sumpfgelände Quintalala. Und dann – wir ahnten es schon – führt uns das GPS beim Rausfahren aus Cusco erneut zu einer Treppe! Nach kurzem Suchen sind wir dann aber endlich raus aus der Enge dieser Stadt.

Die Route führt ins Tal des Río Apurimac (der zum Amazonas wird) und entlang weiterer Flüsse mit so klingenden Namen wie Río Pachachaca, Río Antabamba und Río Chalhuanca: Irrsinnig grüne Täler mit imposanten steilen Felswänden und einer unglaublichen Vielfalt an Pflanzen. Wegen der vielen Topes in den Dörfern und 2 Pässen von je 4‘000 müM kommen wir nicht so richtig vom Fleck und stellen uns auf dem Parkplatz des Hotels Tampumayu (ca. 19km vor Chalhuanca  – Christa und Manfred: vielen Dank für den heissen Tipp). Da wir hier auch essen, kostet das Campieren nichts.

 

 

 

 

Auf dem Rest der Strecke bis Nazca (über 360km) sind 3 weitere Pässe mit Höhenlagen bis 4‘500müM zu überwinden. Eine faszinierende Landschaft, insbesondere die vielen tiefblauen Lagunen auf der Hochebene nach dem Dorf Negromayo und die Vicuñas im Reserva Nacional Pampa Galeras. Achtung: Kurz vor dem Dorf Puquio gibt es eine dieser nervigen Früchtekontrollen – unsere schönen Tomaten sind wir los!

Nach dem letzten Pass verändert sich das Landschaftsbild abrupt: Unzählige Serpentinen in einer vegetationslosen Wüste bis runter nach Nazca auf nur noch 600müM. Dort erwartet uns der Campingplatz im Palmengarten des Hotels „La Maison Suisse“ (da ist ausser dem Namen nix Suisse), herrlich warmes Wetter und eine schöne Dusche in einem alten Hotelzimmer.

Wir buchen sofort den Flug über die Nazca-Lines. Anderntags am Morgen fliegen wir also zusammen mit zwei Mädels aus Korea (denen bekam der Rüttel-Flug ganz schlecht…) über diese weltberühmten Geoglyphen. Es handelt sich um daumen- bis fusstiefe, mind. 20cm breite Furchen, welche sich über eine Fläche von 700qkm erstrecken. Die Linien sind bis zu 200m lang, exakt bemessen, und es ist nur aus der Luft ersichtlich, was sie darstellen: Tiere, Menschen, Pflanzen und geometrische Figuren. Die meisten Bilder entstanden während der Nazca-Kultur 200v.Chr. bis 800n.Chr., einige sind älter. Es gibt einige Theorien darüber, wozu sie erschaffen wurden: Astronomie, rituelle Prozessionspfade, Kennzeichnung des Verlaufs von unterirdischen Wasserkanälen, Kalender usw.  Kamerad Von Däniken hat übrigens mit seinen UFO-Theorien diese Linien erst richtig bekannt gemacht und wurde zum Ehrenbürger von Nazca gekrönt. Dank des extrem trockenen Klimas hier sind diese Geoglyphen sehr  gut erhalten (bis auf diejenigen, welche von Extrem-Idioten mittels Fahrzeugspuren beschädigt wurden). Es werden übrigens immer wieder neue Bilder gefunden, einfach faszinierend! Für uns persönlich ebenso wertvoll, wie Machu Picchu.

 

 

 

 

Ab Nazca treffen wir nun wieder auf die Panamericana. Und dann kommt der 3.2. – ein Wahnsinnstag – was schon 54??  Die Party mit Freunden fällt diesmal aus, dafür nehmen wir uns in der Oase von Huacachina ein Zimmer in der Hostería Suiza (wie kommen die bloss immer wieder auf Suiza?) und gehen gaaaanz fein essen. Den Sandboardern auf den sehr hohen Dünen schauen wir bloss bewundernd zu und im Wasser würde man sich vermutlich Hautprobleme einhandeln.  An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die vielen Mails und Glückwünsche!!!

 

 

In der nahen Stadt Ica gibt’s einen Vea-Supermarket – wir fühlen uns fast wie im Himmel! Unser Kühlschrank ist wieder randvoll und wir sind für die Weiterreise bereit.

Kaum auf der Peninsula de Paracas eingetroffen, buchen wir sofort eine Bootstour zu den Islas Ballestas. Leider wird diese jedoch kurz darauf wegen zu hohem Wasserstand abgesagt. Kurzerhand vereinbaren wir einen neuen Termin für den nächsten Tag.

Im Reserva Nacional de Paracas wollen wir unser Chateau bei den Klippen der Playa Mina hinstellen. Doch enorm viele, laute Touristen sowie der starke Wind vermiesen uns dieses Vergnügen.

Beim Museum „Julio Tello“ dürfen wir dann eine Nacht stehen und auch die öffentlichen (sauberen) Toiletten benützen. Anderntags früh klappt’s dann (nach einer Stunde Rumstehen) mit der Bootstour. Schon sagenhaft, wenn man so nahe an die Seelöwen rankommt. Tausende verschiedene Seevögel nisten auf den Felsen und in den unzähligen Höhlen schwimmen Pinguine und Robben. Delfine sind ebenfalls zu sehen, aber für Fotos auf einem wackligen Boot sind die einfach viel zu schnell wieder weg.

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Runter vom Boot und rein ins Auto. Ziel ist die Millionenstadt Lima! Wir sind einfach froh, heil mit unserem Chateau im Hitchhikers Backpackers Hostal (Calle Bolognesi 400, Miraflores) einzutreffen und einen freien Platz im Innenhof vorzufinden (viel Platz ist da nicht…).  Fünf Gehminuten entfernt gibt es einen richtigen Feinkostladen – eine Art Globus von Peru. Spitzenklasse!

Gespannt lassen wir uns anderntags von einem Taxi ins wunderschöne  historische Zentrum fahren. Leider bietet das archäologisch/anthropologische Museum nicht das Erwartete, sind doch die meisten Türen verschlossen  – auch diejenige zur Inkagold-Ausstellung. Es ist extrem heiss, laut und hektisch, kein ideales Umfeld für uns. Die fahren hier offensichtlich nach Gehör und strapazieren pausenlos ihre Hupen.

Ohne Beulen, dafür mit Gehörschäden fahren wir während einer ganzen Stunde nordwärts durch Lima. Die Panamericana Norte wird unzählige Male durch Kreisverkehr, Rotlichter und Kreuzungen unterbrochen. Das macht nervös, wenn noch 417km zu fahren sind… Die Strecke bis Huaraz ist ziemlich dicht besiedelt und dementsprechend hüpft das Chateau andauernd über ärgerliche Topes. Erst bis Barranca entlang der Küste und dann stetig bergauf bis auf über 4‘000müM, und dann wieder runter bis auf 3‘050müM nach Huaraz.

Und was passiert, wenn Schürmann’s in die Berge fahren? Zuerst immer dichter werdender Nebel, anschliessend Dauerregen vom feinsten. Keine Cordilleras Blancas oder Negras zu sehen – sehr schade! Vor Einbruch der Dunkelheit fahren wir auf den Parkplatz des „Real Grand Hotels Huascaran“ in Huaraz und kriegen einen Zimmerschlüssel für die Benützung eines sauberen Badezimmers.

Der nächste Morgen zeigt sich weiterhin in tristem Grau, und der Nebel sinkt immer tiefer runter. Wieder mal Flucht an die Küste! Die Strecke führt durch das fruchtbare und anfänglich dicht besiedelte Tal des Río Santa (wir haben über 70 Topes gezählt!).

In Caraz beginnt eine zwar einspurige, aber gute Schotterpiste durch den Cañon del Pato. Auf einer Seite hunderte Meter runter, auf der anderen Seite steil aufragende Felswände beidseitig des Flusses. Wir können wegen des hartnäckigen Hochnebels nicht mal ausmachen, wie hoch die Felswände wirklich sind. Ausserdem sind da noch über 30 Tunnels – zwischen 10 und 200m lang, teilweise kurvig und selbstverständlich unbeleuchtet. Hier macht es erstmals Sinn, die Hupe einzusetzen (macht richtig Spass!). Es kommen immer wieder Lastwagen und Busse entgegen, die uns zu Stopps auf den Ausweichstellen vor den Tunnels zwingen. Das Tal ist an der engsten Stelle nur noch 18m breit, ehe der Cañon bei Huallanca endet und die Strasse asphaltiert ist. Immer noch entlang des Río Santa geht’s weiter runter ans Meer und dann auf der Panamericana Norte nach Huanchaco.

Das Hostal „Huanchaco Gardens“ bietet einen Campingplatz direkt neben dem Pool an (Toiletten vorhanden, für Duschen muss man anfragen) und an der Playa finden wir jede Menge gute Restaurants. Unsympathisch: Im Restaurant ist ein Baby-Totenkopfäffchen in einem Vogelkäfig eingesperrt. Nur wenn alles verrammelt ist, darf es aus dem Käfig. Wird es jemals frische Luft atmen?

In der Nähe sind zwei wundervolle Ausgrabungen zu sehen, die wir uns nicht entgehen lassen:

Chan Chan war die Hauptstadt des präkolumbischen Chimú-Reiches und befand sich an der peruanischen Pazifikküste westlich der heutigen Stadt Trujillo. Sie entstand etwa um 1300 und erstreckt sich noch heute über eine Fläche von 28 km². Sie war mit etwa 60‘000 Einwohnern wahrscheinlich die grösste Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt, die aus Lehm errichtet wurde. Erst mit dem Unterbinden der Wasserversorgung konnte Chan Chan von den Inkas eingenommen werden.

Heute sind noch riesige Flächen von Lehmbauten in mehr oder weniger schlechtem Zustand und einige Festsäle vorhanden. Ausserordentlich starke Regenfälle haben in den letzten Jahren zur Zerstörung beigetragen. In einem einzigen Bereich sind die prachtvollen Verzierungen noch zu sehen. Der Besuch lohnt sich jedoch allemal!

Die Huaca de la Luna ist eine Pyramide aus luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe) im Moche-Tal ebenfalls in der Nähe von Trujillo. Sie befindet sich am Fuß des Cerro Blanco und besteht aus vier durch Mauern und Plattformen miteinander verbundenen Pyramiden, die für vier verschiedene Bauphasen stehen (vom 3. bis zum 8. Jh. n. Chr.). Die Mondpyramide diente religiösen Zwecken und ist vor allem durch ihre gut erhaltenen, prächtigen Wandmalereien bekannt. Die Bedeutungen dieser Bilder sind weitgehend ungeklärt. Woher wussten die Moche, wie Gorillas und Löwen aussehen und wieso konnten sie eine Krone darstellen? Die spanischen Erklärungen unserer Führerin sind hochspannend und wir sind hellauf begeistert von den kunstvollen Malereien, Verzierungen und Geheimnissen. Extrem lohnenswert!

Wir bleiben noch einen Tag in Huanchaco, machen ein wenig „Hausarbeit“ und geniessen das wunderschöne, warme Wetter. Endlich mal Zeit, die tollen Fasnachtsfotos der Fritschi-Musig anzuschauen! Die Stimmung kommt gut rüber – das Wetter in Luzern allerdings – NAJA…!

Unterwegs besichtigen wir die eindrücklichen Pyramiden von Sipán, wo die Gräber der ehemaligen Herrscher liebevoll und echt wirkend an den Ausgrabungsstellen arrangiert wurden. Die Originale befinden sich alle im Museum.

Die Grossstadt Chiclayo ist extrem schmutzig und laut. Dann lieber nach Lambayeque, wo auch das Museo „Tumbas Reales de Sipán“ steht.  Auf dem Weg ins Hostal „Mamita Helmita“ sehen wir zufällig den Bus von Sina und Michael, die ja mit uns zusammen durch Ecuador und Kolumbien reisen werden. Wir stecken einen Zettel an die Windschutzscheibe und abends kommen sie noch schnell vorbei. Im Hostal können sie am nächsten Tag auf dem Parkplatz stehen, denn ab hier geht unsere Reise gemeinsam weiter. Das „Mamita Helmita“ ist übrigens eine wunderschöne Anlage mit sehr netten Besitzern. Ein kleines Paradies inmitten von Abfallbergen. Das Museum „Tumbas reales de Sipán“ enthält eindrücklich dargestellte Skelette und Grabbeigaben von zwei Herrschern von Sipán. Riesige Ohrringe mit Einlegearbeiten aus Türkisen, schwere Halsketten, Zepter und Waffen – alles aus purem Gold. Leider herrscht absolutes Fotografierverbot!

Nächstes Ziel wäre Jaén. Wieder so eine versiffte peruanische Stadt, uns hält hier nichts. Obwohl schon später Nachmittag, wagen wir die Weiterfahrt bis San Ignacio. Die letzten Kilometer sind – entgegen den Angaben auf der Karte – eine üble und steil ansteigende Piste. Einsetzender Regen und Dunkelheit nehmen Beat die Sicht und wir stellen uns kurz bei einer Tankstelle unter. Beim Runterfahren in den Ort bemerken wir alle vier, das der Hang rechts von uns plötzlich zu rutschen beginnt. Nix wie weg! Schlussendlich bleibt uns für eine Nacht nur das (Stunden)hotel „La Posada“. Aber Zimmer und Duschen waren soweit ok.

5km nach Namballe wollen wir wieder mal einen schönen Übernachtungsort, nämlich die schöne Anlage „El Sol del Frontera“. Es ist wie verhext: Die für die Strassenarbeiten zuständige Firma beansprucht das gesamte Gelände für etwa 2 Jahre und will keine anderen Gäste zulassen. Eine kleine Warnung an alle Camper:  Die Arbeiten dauern sicherlich noch 6 Monate an!

Kurz nach Mittag beschliessen wir, zusammen die Grenze nach Ecuador zu passieren. Eigentlich wäre das ganz schmerzlos, wäre da nicht ein völlig unfähiger Beamter bei der Autozulassung (Aduana). Mal schreibt er falsch ab, mal druckt er Formulare mit der Chassis-Nummer der Vorgänger aus, dann überschreibt er wieder alles, speichert falsch ab usw. Geschlagene 4 1/2 Stunden warten wir vier auf dieses eine Formular. Heute schaffen wir es nur noch bis Zumba. Mangels Unterkünften (resp. das Hotel ist eine Dreckloch) stellen wir unsere Autos auf den Dorfplatz, gleich neben der Kirche. Also, wenn man hier nicht sicher stehen kann! Ecuador ist übrigens im Vergleich zu Peru fast schon klinisch rein und die Leute sind allesamt – inkl. Militärposten – sehr freundlich!

Die nächsten 128 km haben’s dann in sich: Auf einer teilweise schlechten Piste rauf und runter durch eine richtige Dschungellandschaft. Die Pflanzenvielfalt ist unbeschreiblich. Und dann gibt es noch diese riesige Baustelle, derentwegen ein Abschnitt nur zeitweise geöffnet ist – z.B. von 12:00 – 13:00. Wir haben ein Riesenglück, gerade noch durchgelassen zu werden. Die Strecke wird nun noch schlechter und obendrein schlammig. Michael schafft mit seinem VW-Bus alles erstaunlich problemlos. Früher als erwartet treffen wir für die letzten km vor Vilcabamba auf erholsamen Asphalt.

Endlich mal wieder ein Campingplatz: Im Hostel Izhcayluma haben diverse Wagen Platz, leider nur einer direkt vor der Anlage. Aber nach all dem Erlebten geben wir uns gerne auch mit dem Platz an der Strasse zufrieden. Abends zu viert kochen und essen – ein richtiges Highlight! Ecuador gefällt uns bisher enorm gut und wir sind gespannt, wie’s weiergeht!

 

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